Ein lebendig eingemauerter Mönch, Verstorbene, die plötzlich zum Leben erwachen und ein kleiner Junge, der vom Teufel geholt wird – was nach Teasern von Horrorfilm-Klassikern klingt, sind in Wirklichkeit alte Erzählungen über unsere alte Stadt. Besonders um Nürnberg und dessen historische Sehenswürdigkeiten und Plätze ranken sich einige schaurige Sagen. Aber keine Angst: Nicht für alle brauchst du starke Nerven. Interessant sind sie aber allemal, schließlich stellt man sich bei jeder Geschichte die Frage: Steckt dahinter doch ein Fünkchen Wahrheit?

Dieser Artikel ist der erste Teil einer Serie. Den zweiten Teil findest du hier.

Das Teufelsbrünnlein

Am Nordturm der Lorenzkirche befindet sich ein aus Sandstein gefertigtes Brunnlein. Es zeigt einen Drachen und einen Teufel, welche gerade einen Schulbuben angreifen. Der Sage nach handelt es sich dabei um einen hitzigen “Schusserbou”, der nach der Schule am Lorenzer Platz mit seinen Kameraden regelmäßig geschussert (mit Murmeln gespielt) hat. Dabei schummelte er so viel, wie es nur ging. Als einer seiner Kameraden ihn zur Rede stellte, so wies er jegliche Schuld ab und sagte: “Wenn’s nicht wahr ist, soll mich der Teufel holen.”

Gesagt, getan. Der Teufel kam und nahm den Bub mit sich. Unterwegs verlor der Schusserbou noch seine Kappe, welche vom Blitzableiter des Chordachs der Lorenzkirche aufgefangen wurde und ihm seinen heutigen Beinamen gab: Lausbubenkäpple.

Der Rauschgoldengel

Der Rauschgoldengel gilt als eines der Wahrzeichen des Nürnberger Christkindlesmarktes. Dahinter steckt eine traurige Sage, von der bis heute zwei unterschiedliche Versionen erzählt werden. Beide handeln von dem Handwerksmeister Rauscher, der die Holzschnitzerei beherrschte wie kein Zweiter. Leider erkrankte seine Tochter eines Tages schwer und starb darauf. Der Handwerksmeister versank in tiefer Trauer.

Die eine Version der Geschichte erzählt davon, dass er sich in einer Kammer einschließt. Um Rauscher ein bisschen abzulenken, gibt man dem Meister ein Schnitzmesser. Kurz darauf verschwindet er, hinterlässt aber ein Abschiedsgeschenk. Eine Figur mit einem Kleid aus Rauschgold und einem geschnitzten Kopf aus Lindenholz. Die Gesichtszüge erinnerten an die verstorbene Tochter. Statt Arme hat die Figur zwei große Flügel und den Kopf ziert eine prächtige Krone.

In der anderen Version erscheint die Tochter in Rauschers Schlaf. Sie trägt das Gewand eines goldenen Engels. Um seinen Traum nicht zu vergessen, fertigt er eine prächtige Puppe an: den Rauschgoldengel.

Warum abends um 9 Uhr die großen Glocken läuten

Früher wohnten am Marktplatz von Nürnberg nur die reichsten und vornehmsten Familien, sogenannte Patrizierfamilien. Nur die allerfeinsten Speisen kamen auf ihren Tisch. Um ihre Speise zu süßen, wurde Honig verwendet, welcher zu jener Zeit draußen im Reichswald von Bienenzüchter in hohlen Bäumen gewonnen wurde. Der Reichswald war damals jedoch noch größer und dichter. Wer sich einmal dort verirrte, fand nur schwer wieder heraus.

Eines Tages macht sich ein junger Bursche einer Patrizierfamilie auf den Weg, ein Töpflein Honig zu holen, nachdem er beim Frühstuck ausgegangen ist. Doch der Junge verläuft sich und mit der anbrechenden Dunkelheit schwindet die Hoffnung, wieder herauszufinden. Sein Vater ist außer sich vor Furcht und richtet sich an die Geistlichen der Kirche. “Vielleicht”, so denkt er, “wird mein Sohn da draußen im Wald die Richtung finden, wenn er die Glocken hört.” Und weil der Mann so herzlich bat, lassen die Herren alle Viertelstunden abwechselnd bei St. Sebald und dann wieder bei St. Lorenz die großen Glocken läuten. Und tatsächlich: Der Bursche findet den Weg zurück.

In seinem Glück verspricht der Vater, so viel Geld für die Kirchen von St. Sebald und St. Lorenz zu stiften, damit jeden Abend um 9 Uhr die Glocken läuten können. Seitdem hat so manch ein Wanderer im Reichswald dadurch den Weg zurück in die Stadt gefunden


Ob wahr oder nur eine Erzählung – gruselig sind die Geschichten allemal. Du kennst noch mehr alte Sagen über Nürnberg? Dann erzähl uns gerne davon, wir freuen uns auf deine Nachricht!

Dieser Artikel ist Teil der erste Teil einer Serie. Den zweiten Teil findest du hier.