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Interview„Wir alle sind Nürnberg“ – OB Marcus König über Wurzeln, Wir-Gefühl und Nürnbergs Zukunft

deinNämberch: Für alle, die Sie nicht kennen: Wie ist Ihre Verbindung zu Nürnberg?
Marcus König: Ich bin in Nürnberg geboren und aufgewachsen, besuchte hier das Internat St. Paul-Seminar am Dutzendteich und bin zunächst in die Scharrer Hauptschule und anschließend in die Wirtschaftsschule gegangen.

Ich habe immer in Nürnberg gelebt und gearbeitet. Die Stadt hat mich nie losgelassen. Ich bin ein Nürnberger durch und durch.

deinNämberch: Was schätzen Sie am meisten an unserer Stadt?
König: Ich schätze die reiche Geschichte Nürnbergs, die Vielfalt und die Fähigkeit, aus Brüchen zu lernen und sich neu zu erfinden. Nürnberg lehrt uns, wie man aus Herausforderungen das Beste macht.

deinNämberch: Welchen Tipp haben Sie für Neu-Nürnbergerinnen und -Nürnberger?
König:
Anfangs wirken wir Franken vielleicht etwas reserviert, aber wenn wir jemanden ins Herz schließen, bleibt das für immer. Nürnberg wird oftmals unterschätzt – wir sind der Underdog unter den deutschen Großstädten.

Mit fast 550.000 Einwohnern sind aber wir die zweitgrößte Stadt Bayerns und auf Platz 13 in Deutschland. Viele, die hierherkommen, staunen und wollen bleiben. Ganz nach dem Motto der Metropolregion: Kommen. Staunen. Bleiben.

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deinNämberch: Sie haben Formate wie Lass uns reden ins Leben gerufen. Wie wichtig ist Ihnen der direkte Kontakt und Austausch mit den Bürgern? 
König: Hierbei geht es vor allem um Bürgerbeteiligung. Der Oberbürgermeister entscheidet nicht allein, was mit unserer Stadt passiert – wir alle sind Nürnberg und haben einen Gestaltungsauftrag.

Wir müssen fragen, was wir beitragen können und gemeinsam entscheiden, wie es weitergeht. Ich verstecke mich nicht in meinem Büro, sondern suche das Gespräch mit den Menschen. Es ist wichtig, draußen zu sein und die Menschen zu erreichen. 

deinNämberch: Wie empfinden Sie den Kontakt mit den Menschen? Auch über Social Media? 
König: Positiv. Eine Stadt wird nie fertig. Man muss erklären und diskutieren, um Zusammenhänge klarzumachen. Leider gibt es vor allem in den sozialen Medien mehr Fake als Fakten.

Ich stehe für Fakten und erkläre sie. Auch über persönliche Nachrichten mittels meiner Social-Media-Kanäle, die ich gemeinsam mit einem Mitarbeiter pflege.  

deinNämberch: Wann haben Sie begonnen, sich politisch zu engagieren?
König: Ich habe Helmut Kohl 1994 auf dem Hauptmarkt erlebt und suchte daraufhin nach politischem Anschluss. Über meinen damaligen Internatsdirektor konnte ich bei Treffen der SPD und Grünen dabei sein und habe mich mit einem JU’ler in der Mögeldorfer Eisdiele Cristallo verabredet.

Ich war nicht besonders begeistert von den Inhalten der anderen beiden Parteien und sicherlich hat auch die Einladung zu zwei Kugeln Schokoeis und einer Kugel Stracciatella dazu beigetragen, dass ich mich dann für die Junge Union entschieden habe und am 1.10.1994 mit gerade einmal 13 Jahren eingetreten bin.

deinNämberch: Hat sich Ihr Blick auf Nürnberg geändert, seit Sie Oberbürgermeister sind?
König: Man lernt die Stadt immer wieder neu kennen. Als Stadtrat und später als Fraktionsvorsitzender hatte ich bereits einen neuen Blickwinkel auf Nürnberg. Für mich ist es erstaunlich, wie vielfältig die Themengebiete sind.

deinNämberch: Auf welche Errungenschaften Ihrer ersten Amtszeit sind Sie besonders stolz? Was hätten Sie besser machen können?
König: Wir haben viel erreicht, trotz Krisen wie Corona und dem Ukraine-Krieg. Wir haben die Wirtschaft gestärkt, Schulen gebaut und die Stadt klimaresilienter gemacht. 

Unbefriedigend sind natürlich lange Verzögerungen, etwa bei Schulbauten oder Baustellen. Um dem entgegenzuwirken, haben wir die Bearbeitung einiger Bauanträge bereits von zwölf auf acht Monate reduziert und das Online-Zugangsgesetz umgesetzt.

Auch bei der Stadtentwicklung ist es wie im echten Leben – auf einen Fortschritt folgt manchmal leider auch ein Rückschritt. Aber ich sage immer: Wir wollen Lust auf Nürnberg machen, wir packen weiter gemeinsam an. 

deinNämberch: Was motiviert Sie für eine zweite Amtszeit? 
König: Unser schönes Nürnberg ist meine größte Motivation. Ich möchte, dass wir gemeinsam unsere Chancen nutzen, Brücken bauen und die Vielfalt unserer Stadt als Gewinn sehen.

Nürnberg war bereits im Mittelalter ein Handelszentrum und Vielfalt damals schon Teil unserer Identität. Dabei müssen wir nur an den Lebkuchen denken, dessen Zutaten aus Indien und dem Orient stammen. Oder an unsere Bratwurst, die Gewürze aus aller Welt enthält. Hier sage ich immer gerne: Die Welt steckt in sieben Zentimetern.

Es geht aber auch darum, Wissenschaft und Wirtschaft zu verbinden – von KI-Forschung bis hin zur Förderung von Nürnberg als Industriestandort.

deinNämberch: Wenn Sie an die Zukunft Nürnbergs denken – welche konkreten Vorstellungen und Projekte möchten Sie in den kommenden Jahren vorantreiben?
König: Mir geht es darum, Nürnberg konsequent zur Stadt der Zukunft zu entwickeln. Dazu gehört für mich zuerst eine klimaresiliente Stadt, in der wir Plätze abkühlen, mehr Grün schaffen und die Landesgartenschau 2030 als langfristigen Schub nutzen, von dem wir noch 2050 profitieren.

Gleichzeitig müssen wir unsere wirtschaftliche Stärke weiter ausbauen – nur wenn Unternehmen hier investieren und wir Wirtschaft und Wissenschaft noch enger verzahnen, können wir Innovationen anziehen und die nötigen Einnahmen für gute Bildung, Betreuung und sozialen Zusammenhalt sichern.

Wir modernisieren unsere Verwaltung weiter, beschleunigen Verfahren, bauen Bürgerämter aus und treiben die digitale Infrastruktur voran. Und wir gestalten die Innenstadt attraktiver – etwa mit neuen Marktformaten nach dem Vorbild des Wiener Naschmarkts.

Insgesamt wünsche ich mir ein Nürnberg, in dem Vielfalt als Chance begriffen wird und alle das Gefühl haben: Wir alle sind Nürnberg.

deinNämberch: Was schätzen Sie an Ihren Konkurrenten?
König: Dr. Nasser Ahmed ist ein agiler und empathischer Kollege am Beginn seiner Karriere. Britta Walthelm eine geschätzte Mitstreiterin. Wir haben alle unseren eigenen Stil, packen aber bei Herausforderungen gemeinsam an. Ich habe noch nie auf andere eingedroschen und binde die guten Ideen aller mit ein.

deinNämberch: Was wünschen Sie sich für die Nürnbergerinnen und Nürnberger?
König: Eine vielfältige und zukunftsfähige Stadt mit Klimaresilienz, grünen Plätzen und gesichertem Wohlstand. Eine Stadt, in der sich jeder zuhause fühlt! Wir wollen wirtschaftlich stark sein und auch den Schwächeren in unserer Gesellschaft etwas bieten können.

deinNämberch: Was kann Nürnberg von Fürth lernen?
König: In erster Linie freue ich mich über unsere gute Nachbarschaft. Fürth hat
z. B. ein funktionierendes Stadion und eine bemerkenswerte Transformation der Innenstadt vorangetrieben. Mir gefällt ganz besonders der neue Fürther Markt. Von diesen Ansätzen kann auch Nürnberg lernen. 

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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