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Interview

Von der Spitzengastronomie zur eigenen Weinbar: Difan über die 075 in Nürnberg

Eigentlich wollte Sommelière Difan nur für einen Job nach Nürnberg kommen. Doch aus einem Zwischenstopp wurde eine neue Heimat – und schließlich die eigene Weinbar 075. Hier setzt sie auf hochwertige Weine statt steife Etikette und möchte Weingenuss für alle zugänglich machen.

Im Interview mit deinNämberch erzählt sie, warum sie sich in Nürnberg verliebt hat, was hinter ihrem Konzept steckt und weshalb ein wirklich guter Wein vor allem von den Menschen abhängt, mit denen man ihn trinkt.

Difan, wie bist du nach Nürnberg gekommen – und was hält dich heute hier?
Ich bin zwischen den beiden Lockdowns aus Berlin hergezogen, weil ich als Sommelière im ZweiSinn Meiers angefangen habe. Ehrlich gesagt hatte ich nicht vor, hier sesshaft zu werden. Am Ende haben mich die Menschen überzeugt: Franken brauchen bekanntlich etwas länger, um aufzutauen, aber wenn es so weit ist, werden daraus Freundschaften fürs Leben.

Sommelière Difan Xu. Alle Fotos: 075 Weinbar & Handel GmbH

Wie bist du ursprünglich zum Wein gekommen?
In der Gastronomie war ich schon immer, zum Wein haben mich aber meine Lehrmeister gebracht. Zufällig waren das alles Sommeliers, und sie haben mir Dinge über Wein erzählt, die ich damals überhaupt nicht verstanden habe. Weil ich Sachen aber gern wirklich verstehe, habe ich alles darangesetzt, und so bin ich heute hier.

Du hast in verschiedenen Städten und in der Spitzengastronomie gearbeitet. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen?
Jede Station hat mir etwas anderes beigebracht. In einem Betrieb habe ich gelernt, dass man in fünf Minuten viel mehr schaffen kann, als man denkt. In einem anderen habe ich verstanden, was Service wirklich bedeutet. Und wieder woanders habe ich Disziplin gelernt.

Es gab überall gute und schlechte Momente, aber lehrreich waren sie alle, denn manche Erfahrungen bezahlen einen eben nicht in Geld. All das steckt heute in der 075, nur eben ohne Tischdecke.

Warum hast du dich entschieden, mit der 075 deine eigene Weinbar in Nürnberg zu eröffnen?
Nürnberg hat genau die richtige Größe für so ein Projekt: nicht zu klein und nicht zu groß. Und weil ich ohnehin bleiben wollte, hat sich die Entscheidung fast von selbst ergeben.

Was steckt hinter dem Namen „075“ und was ist die Idee hinter eurem Konzept?
Ganz einfach und leicht zu merken: 0,75 Liter ist die klassische Weinflaschengröße. Das Konzept ist ein unkomplizierter Treffpunkt für alle, die guten Wein trinken wollen, ob es ein Glas ist oder drei Flaschen.

Wie entscheidest du, welche Weine es bei euch auf die Karte schaffen?
Für mich zählen vor allem Qualität und Nachhaltigkeit. Darüber hinaus gibt es keine Grenzen, weder bei Regionen noch bei Rebsorten oder Stilen.

Was macht für dich einen wirklich guten Wein aus?
Qualität hat viele Kriterien, allen voran Konzentration, Komplexität und Balance. Wirklich gut ist ein Wein aber erst, wenn er zum richtigen Anlass und mit den richtigen Menschen getrunken wird.

Manche Menschen empfinden Wein als kompliziert oder elitär. Wie versuchst du, das Thema zugänglicher zu machen?
Mit so wenig Schnickschnack wie möglich. Ich halte mein Leben unkompliziert, und das meiner Gäste auch: gute Weine, hochwertige Gläser, nette Kollegen. Der Rest ergibt sich von selbst.

Welche Rolle spielt Franken für dich als Weinregion?
Franken ist eine sehr eigenständige Region. Mit dem Silvaner als Aushängeschild haben die heimischen Winzer es geschafft, ganz individuelle Weine zu machen, von denen einige zu den besten der Welt gehören.

Was fehlt Nürnberg aus deiner Sicht noch in Sachen Wein, Gastronomie oder Genusskultur?
Ehrlich gesagt hat Nürnberg gastronomisch inzwischen sehr viel zu bieten. Wir haben nicht nur eine der höchsten Sternedichten Deutschlands gemessen an der Einwohnerzahl, in den letzten Jahren sind auch viele richtig gute Lokale ohne Stern dazugekommen.

Genussreisende können hier locker ein langes Wochenende verbringen und die Stadt kulinarisch entdecken.

Vielen Dank für dieses interessante Gespräch!

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