Seit 2014 sitzt Werner Henning im Nürnberger Stadtrat – jetzt startet er in seine dritte Amtsperiode. Gleichzeitig engagiert er sich als Vorstandsvorsitzender im Haus der Heimat Nürnberg e.V. für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Integration in Nürnberg. Im Interview spricht er darüber, warum Kommunalpolitik vor allem Zuhören bedeutet, welche Themen die Menschen in den Stadtteilen bewegen und weshalb pragmatische Lösungen für ihn wichtiger sind als große Ideologien.
Herr Henning, Sie wurden bei den diesjährigen Wahlen erneut als Stadtrat bestätigt und starten in Ihre dritte Amtsperiode. Was bedeutet Ihnen dieses Vertrauen persönlich?
Dieses Vertrauen bedeutet mir sehr viel. Es bestätigt einerseits meine bisherige Arbeit im Stadtrat, andererseits aber auch die enge Bindung zur Bürgerschaft, zu den Vereinen und zu den gesellschaftlichen Gruppen in unserer Stadt. Der direkte Austausch und die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort sind für mich ein zentraler Bestandteil meiner politischen Arbeit.

Viele Menschen wissen ungefähr, was ein Stadtrat ist – aber nicht unbedingt, wie der politische Alltag tatsächlich aussieht. Wie läuft Ihre Arbeit als Stadtrat ganz konkret ab?
Die Arbeit als Stadtrat macht mir zunächst einmal großen Spaß, auch wenn sie natürlich mit viel Einsatz verbunden ist. In der Regel gibt es zwei- bis dreimal pro Woche Termine – dazu gehören Fraktionssitzungen, Ausschüsse, Kommissionen und natürlich die Stadtratssitzungen selbst.
Am wichtigsten ist für mich aber der direkte Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern. Nur wenn man weiß, wo der Schuh drückt, kann man auch gezielt gegensteuern und sich für Lösungen einsetzen.
Mit der neuen Amtsperiode stand am 6. Mai wieder die Vereidigung an. Wie erleben Sie diesen Moment – ist das nach so vielen Jahren Routine oder immer noch etwas Besonderes?
Auch beim dritten Mal ist die Vereidigung noch ein ganz besonderer und emotionaler Moment. Da bekommt man schon ein echtes Gänsehautgefühl. Es ist schließlich ein Zeichen von Vertrauen und Verantwortung gegenüber der Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürgern – und das verliert auch nach vielen Jahren nichts von seiner Bedeutung.
Ein besonders schöner und stimmungsvoller Auftakt vor der konstituierenden Sitzung ist zudem der ökumenische Gottesdienst in der Sebalduskirche. Als alte Ratskirche ist dies nach historischer Tradition ein wichtiges Ereignis, um mit den Segenswünschen der Religionen in die neue Stadtratsperiode zu starten.

Sie sitzen seit 2014 im Nürnberger Stadtrat. Was motiviert Sie, dieses Ehrenamt über so viele Jahre hinweg auszuüben?
Was mich motiviert, ist vor allem die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern. Mir ist wichtig, ihre Anliegen und Sorgen direkt aufzunehmen und mich dafür einzusetzen, dass diese so weit wie möglich auch umgesetzt werden. Wenn man sieht, dass man konkret etwas für die Menschen und die Stadt bewegen kann, dann ist das eine große Motivation.

Sie beschreiben Ihre Motivation mit „Zuhören, Anpacken, Umsetzen“. Wie sieht das in der Praxis aus – vielleicht an einem konkreten Beispiel aus Ihren Stadtteilen?
Genau so läuft es in der Praxis oft ab. Ein Bürger hat mich zum Beispiel angerufen und berichtet, dass in der Von-der-Tann-Straße ein Schlagloch ist. Immer wenn schwere LKWs darüberfahren, hat – wie er sagte – ‚die ganze Bude gewackelt`.
Daraufhin habe ich direkt am nächsten Tag Kontakt mit dem zuständigen Verantwortlichen aufgenommen. Bereits einen Tag später kam der Bautrupp und hat das Schlagloch repariert. Und kurz darauf hat sich der Anwohner wieder bei mir gemeldet und sich bedankt.
Das zeigt für mich: Zuhören, Anpacken und Umsetzen – genau darum geht es in der Kommunalpolitik.
Sie sind unter anderem als Stadtteilbetreuer für Gebersdorf, Langwasser, Schweinau und St. Leonhard aktiv. Welche Anliegen begegnen Ihnen dort besonders häufig?
Das ist von Stadtteil zu Stadtteil durchaus unterschiedlich, aber es gibt auch gemeinsame Themen, die immer wieder eine große Rolle spielen. Häufig geht es um Sauberkeit im öffentlichen Raum, um das Thema Sicherheit und auch um den Wunsch nach mehr grünen, gut gepflegten Aufenthaltsflächen.
Die Menschen wollen sich in ihrem Viertel wohlfühlen – und genau diese Rückmeldungen nehme ich aus Gebersdorf, Langwasser, Schweinau und St. Leonhard regelmäßig mit und versuche sie in die politische Arbeit einzubringen.

Besonders am Herzen liegen Ihnen Handwerk, Ehrenamt und Integration. Warum genau diese Themen – und wo sehen Sie in Nürnberg aktuell den größten Handlungsbedarf?
Diese drei Bereiche liegen mir deshalb besonders am Herzen, weil sie ganz unmittelbar mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt zu tun haben. Das Handwerk ist ein zentraler Pfeiler unserer Wirtschaft und sorgt dafür, dass Ausbildung, Arbeit und regionale Wertschöpfung erhalten bleiben. Das Ehrenamt wiederum ist das Rückgrat vieler Vereine und sozialer Angebote – ohne dieses Engagement würde in Nürnberg vieles nicht funktionieren. Und Integration ist entscheidend dafür, dass wir als Stadtgemeinschaft gut zusammenleben, unabhängig von Herkunft oder Lebensgeschichte.

Wenn Sie auf die kommende Amtsperiode blicken: Was möchten Sie konkret anstoßen oder weiter voranbringen, damit Nürnberg aus Ihrer Sicht noch besser zusammenhält?
Wenn ich auf die kommende Amtsperiode blicke, geht es mir vor allem darum, konkrete Lösungen für die Menschen in Nürnberg voranzubringen. Kommunalpolitik sollte sich weniger an ideologischen Debatten orientieren, sondern stärker an dem, was vor Ort tatsächlich gebraucht wird.
Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht keine Grundsatzdiskussionen, sondern praktikable Lösungsansätze. Deshalb ist es mir wichtig, den gesunden Menschenverstand konsequent einzusetzen und Entscheidungen danach auszurichten, was im Alltag funktioniert und was unsere Stadt konkret besser macht.
Wenn wir so arbeiten – pragmatisch, bürgernah und lösungsorientiert – dann stärken wir auch das Miteinander und den Zusammenhalt in Nürnberg nachhaltig.
Vielen Dank für dieses interessante Gespräch!
