Was passiert mit Solarpanels, die noch funktionieren, aber trotzdem entsorgt werden? Tillmann Durth, Mitgründer von Panelretter, hat darauf eine klare Antwort: wiederverwenden statt wegwerfen. Mit ihrem Konzept verwandeln sie ausrangierte Module in Balkonkraftwerke – und machen die Energiewende für alle zugänglich. Im Interview mit deinNämberch.de erzählt er, warum Nürnberg dafür der perfekte Standort ist und welches Potenzial in alten Panels steckt.
Tillmann, was bedeutet Nürnberg bzw. die Metropolregion für dich als Gründer?
Nürnberg vereint das Beste aus zwei Welten: groß genug, um alles für Gründer zu bieten — Netzwerk, Talente, Infrastruktur — und doch familiär, sodass man sich kennt und unterstützt. Besonders faszinieren mich die Menschen hier: tief verwurzelt, aber zugleich inspiriert und tatkräftig. Die Metropolregion wird in Bayern oft unterschätzt, was eine Chance ist, da hier noch viel Platz ist, etwas aufzubauen.

Wie würdest du Panelretter in einem Satz erklären?
Wir retten funktionierende Solarpanels vor der Verschrottung und bauen daraus Balkonkraftwerke, die Menschen in Deutschland kostengünstig und nachhaltig mit eigenem Solarstrom versorgen.
Wann und wie entstand die Idee zur Gründung von Panelretter?
Die Idee kam bei der privaten Solarinstallation meines Mitgründers Christoph Kirschner auf: Ein verkratztes Panel wurde zurückgeschickt und sollte verschrottet werden. Gleichzeitig bemerkten wir, dass seit 2022 beim Repowering von Solarparks hunderttausende funktionierende Module entsorgt werden. Dieses Potenzial konnten wir nicht ignorieren — also gründeten Chris und ich 2023 Panelretter
Viele wissen nicht, dass jährlich hunderttausende Solarpanels entsorgt werden: Warum lohnt sich ein zweites Leben für diese Module?
Weil diese Panels noch lange nicht ausgedient haben. Solarpanels halten bis zu 40 Jahre, und über 60 % der entsorgten Module funktionieren noch einwandfrei. Ein neues Panel muss erst zwei Jahre Strom erzeugen, um seine CO₂-Bilanz auszugleichen. Ein refurbished Panel ist von Anfang an CO₂-positiv. Bis heute haben wir über 3.200 Panels gerettet und mehr als 1.000 Tonnen CO₂ eingespart — das zeigt, was möglich ist, wenn man Wiederverwendung ernst nimmt.

Eure Balkonkraftwerke landen auf ganz normalen Balkonen – warum ist gerade diese Form der Energiewende so wirksam?
Weil sie die Energiewende demokratisiert. Kein Eigenheim, kein Elektriker, kein großes Budget nötig — unser kleinster Retter kostet unter 250 Euro und ist in weniger als 60 Minuten installiert. Jeder mit Balkon, Terrasse oder Garagendach kann mitmachen. Das ist keine Nische, das ist Energiewende für alle. Und da unsere Panels refurbished sind, kommt eine zweite Nachhaltigkeitsebene hinzu: Man produziert nicht nur grünen Strom, sondern rettet auch ein Produkt vor der Tonne.

Wie wichtig waren lokale Netzwerke für euren Start?
Enorm wichtig. Der Zollhof und der Nkubator waren wertvolle Anlaufstellen — als Sparringspartner und Türöffner. Überraschend war, wie viel wir von Partnern wie der Lebenshilfe Erlangen und BluePingu profitierten. Ein gutes Gründernetzwerk besteht nicht nur aus dem klassischen Startup-Umfeld — oft sind die wertvollsten Verbindungen die unerwarteten.
Nachhaltigkeit endet bei euch nicht beim Produkt: Was testet ihr aktuell in Sachen Versand und Logistik?
Wir probieren ständig Neues aus. Letztes Jahr testeten wir mehrere Anbieter für wiederverwendbare Verpackungen — leider passte keine Lösung zu unserem Konzept. Unser Grundsatz bleibt: so wenig Verpackung wie möglich, und wenn, dann nachhaltig. Für die Solarmodule — zwei Quadratmeter Glas, die quer durch Deutschland müssen — entwickelten wir eine eigene Verpackungslösung. Kein glamouröses Thema, aber entscheidend, wenn man Nachhaltigkeit ernst nimmt.
Vielen Dank für dieses interessante Gespräch!



