Hast du schon einmal das Sprichwort “Das hätte mir der Ochs von der Fleischbrücke auch sagen können”, oder „Das hätte ich genauso gut dem Ochs auf der Fleischbrücke erzählen können“ gehört?

Es handelt sich dabei um zwei alte Sprichwörter, welche vor allem uns Nürnbergern bekannt sind. Doch was hat es damit eigentlich auf sich? Von welchem Ochs und welcher Brücke ist hier die Rede und vor allem: was bedeuten die beiden Redewendungen?

Eine Reise ins Mittelalter

Fangen wir mit dem Ochs an. Es handelt sich dabei um eine Skulptur, welche nördlich der Fleischbrücke hängt. Sie zeigt einen steinernen, liegenden Ochs. Die Inschriftplatte darunter ziert der Text: “Omnia habent ortus suaque in/crementa, sed ecce quem cernis nunquam bos fuit/ hic vitulus” – was soviel bedeutet wie: “Alles hat seinen Ursprung und Anfang, doch siehe, der Ochse, den du hier erblickst, ist nie ein Kalb gewesen.” 

Der Ochs von der Fleischbrücke

Auch als Ochsenportal bezeichnet, wurde die Skulptur 1599 errichtet. Die Tierskulptur sollte der Fleischbrücke zusätzliche Attraktivität verleihen. Ochsen waren zu mittelalterlichen Zeiten beliebte Arbeitstiere. Der Zweite Weltkrieg zerstörte die Skulptur zeitweise, bevor sie im Jahr 1950 durch eine leicht veränderte Nachbildung ersetzt wurde.

Um der Fleischbrücke näher auf den Grund zu gehen, wird zunächst ein Blick auf das große Backsteingebäude neben dem Ochsenportal geworfen.

Denn anlehnend an die Skulptur findet sich der Namensgeber der heutigen Fleischbrücke: das ehemalige Fleischhaus. 1570/71 errichtet, erhielt das Gebäude damals seinen Standort direkt am Fluss, der Pegnitz. Dadurch konnten in der damaligen Zeit Schlachtabfälle leicht über das Wasser entsorgt werden. Heutzutage kaum vorstellbar, dienten die Flüsse im Mittelalter damals als gängige Entsorgungsmöglichkeit für Müll und Unrat.

Das ehemalige Fleischhaus

Das Gebäude wie du es heute siehst, wurde auf den Grundmauern eines vorherigen Fleischhauses errichtet. Auch das Ursprungshaus fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer und wurde vollständig zerstört. Umfangreich saniert, befinden sich heute in dem Gebäude der Tee- und Gewürzladen Wurzelsepp, sowie die bekannte Kaffeekette Starbucks. 

Das ehemalige Fleischhaus

Die Fleischbrücke selbst wurde 1598 von Baumeister Jakob Wolff der Ältere erbaut und überbrückt die engste Flussstelle der Altstadt. Der Baustil orientierte sich dabei an der berühmten Rialtobrücke in Venedig, indem über 2000 Holzpfähle an den Ufern das Fundament der Fleischbrücke bilden. Ohne Mittelpfeiler und einer Länger von 27 Metern galt die Brücke damals als ein technisches Wunder. 2011 wurde die Fleischbrücke schließlich als ein „historisches Wahrzeichen“ ausgezeichnet.

Die Fleischbrücke

Die Fleischbrücke ist eines der bedeutendsten Brückenbauwerke der Spätrenaissance und auch der Ochs entwickelte sich zu einer Art Stadtwappen unserer beliebten Heimat. 

Die berühmten Sprichwörter

Doch was bedeuten die bekannten Nürnberger Sprichwörter jetzt eigentlich? „Das hätte mir der Ochs von der Fleischbrücke auch sagen können“ wird verwendet, wenn eine Antwort auf eine Frage voraussehbar oder unbefriedigend ist.

„Das hätte ich genauso gut dem Ochs auf der Fleischbrücke erzählen können“ bedeutet in seinem Sinngehalt in etwa so viel wie ‚gegen eine Wand reden‘.

Bau diese beiden Sprichwörter doch mal gelegentlich in deinen Sprachgebrauch ein und schau, welcher deiner Mitmenschen die Geschichte dahinter bereits kennen. Wir sind uns sicher, nicht allzu viele 😉