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PortraitNürnberger Christkind: Ihr Weihnachtstraum ging in Erfüllung

Das Nürnberger Teresa Windschall auf dem Hauptmarkt.

Lächelnd läuft Teresa Windschall auf mich zu. Sie trägt eine auffällige rote Mütze und einen dazu passenden rot-karierten Schal. Ich, Isabell, bin seit Mitte letzten Jahres Redakteurin für deinNämberch.de. Gemeinsam mit meinem Kollegen Michael (Foto und Video) treffen wir uns mit Teresa auf dem Hauptmarkt in der Nürnberger Innenstadt. Dort, wo jedes Jahr der traditionelle Christkindlesmarkt stattfindet. Eigentlich.

Die Aufbauarbeiten waren schon im vollen Gange und die Weihnachtsbuden steigerten allmählich die Freude auf die anstehende Weihnachtszeit. Ich setze mich mit Teresa in ein Café, mit Blick auf den Hauptmarkt. Wir trinken Kinderpunsch. Für mich der erste Moment in diesem Jahr, der mir ein weihnachtliches Gefühl gibt. Denn mir gegenüber sitzt das neue Nürnberger Christkind.

Du willst Teresa Windschall, das Nürnberger Christkind, noch besser kennenlernen? Lies unser Interview mit ihr. Oder schau es dir auf YouTube an.

Teresa Windschall (l.) und Isabell Schlecht vor dem Nürnberger Hauptmarkt

Einen Tag später erreichte uns die Nachricht. Auch dieses Jahr wurden die Weihnachtsmärkte in ganz Bayern aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Zurück bleiben frustrierte Gesichter. Wieder eine Weihnachtszeit ohne unsere geliebte Tradition.

Auch wenn das Interview mit Teresa vor dem offiziellen Aus des Nürnberger Christkindlesmarktes stattfand: Es hat uns gefreut, ein junges Mädchen kennenzulernen, deren größter Wunsch erfüllt wurde. Und das wird auch Corona ihr nicht nehmen können.

Ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht

Teresa ist offen und gesprächig. Voller Freude findet sie eine Antwort auf meine vielen Fragen. Sie muss gar nicht lange überlegen. Obwohl die Wahl des diesjährigen Christkinds erst zwei Wochen her ist, wirkt sie sehr routiniert. Fast so, als würde sie das schon ein Leben lang machen. Christkind sein.

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Das Video-Interview mit dem Christkind in voller Länge

Teresa erinnert sich an ihre Kindheit zurück. Sie war schon immer fasziniert von dem Christkind, freute sich jedes Jahr auf den Prolog auf der Empore der Frauenkirche und konnte es gar nicht abwarten, dem Christkind ihren Wunschzettel zu übergeben. In der dritten Klasse erfuhr Teresa, dass es das Christkind in Wirklichkeit gar nicht gibt. “Der Schock hat aber nicht so lange angehalten, denn das Nürnberger Christkind gibt es ja wirklich”, stellt sie klar.

Als ich erfahren habe, dass man selbst Christkind werden kann, wollte ich es sofort werden!

Teresa Windschall

“Hätte man sich schon mit neun bewerben können, hätte ich es gemacht”. Das Nürnberger Christkind muss aber zwischen 16 und 19 Jahre alt sein, so die Voraussetzung. Als Teresa das Alter endlich erreicht hatte, bewarb sie sich. Sich einen Kindheitstraum zu erfüllen, war jedoch nicht Teresas einzige Motivation. 

Gerade im letzten Jahr hat Teresa gemerkt, wie wichtig es ist, Menschen etwas zurückzugeben. “Ich möchte ihnen das gleiche Gefühl geben, was mir das Christkind früher gegeben hat”, so Teresa. Ich versetze mich in meine Kindheit zurück und mir wird warm ums Herz. Vermutlich genau das, was Teresa meinte.

Ein spannender Prozess

Für die Wahl zum Christkind steht den Bewerberinnen dabei ein mehrstufiger Auswahlprozess bevor. Zuerst müssen sie ein Motivationsschreiben und einen Lebenslauf schreiben. Daraus werden zwölf junge Frauen ausgewählt und der Öffentlichkeit vorgestellt. “Da war ich wirklich richtig aufgeregt. Man kann nicht einschätzen, wie viele sich bewerben und wie gut man selbst ist”, so Teresa.

Für die letzten zwölf geht die Arbeit erst richtig los. Sie müssen Stimmen sammeln und möglichst viele Menschen für sich gewinnen. Die sechs Kandidatinnen mit den meisten Stimmen kommen weiter und dürfen den bekannten Prolog vor einer Jury aufsagen. Für Teresa hat sich dieser Punkt schon wie ein Sieg angefühlt. “Dieses Gedicht und den Prolog vor einer Jury aufzusagen ist eine Erfahrung fürs Leben.” 

Als sich die Jury schließlich für Teresa entscheidet, dauert es eine Weile, bis sie es realisieren konnte. “Ich war sehr überrascht und überwältigt und konnte es gar nicht richtig greifen”, sagt Teresa. Warum sich die Jury für Teresa entschieden hat? “Ich denke, ich habe die Offenheit gezeigt, die ich den Menschen auch als Christkind zeigen möchte.” 

Auch wir nehmen Teresa als sehr aufgeschlossen wahr. Keine Sekunde zweifeln wir daran, ob die Wahl die Richtige war.

Überwältigende Reaktionen

Von ihrem privaten Umfeld bekommt Teresa durchweg positive Rückmeldung. “Mir haben ganz viele Menschen geschrieben. Bei vielen hätte ich gar nicht daran gedacht, dass sie an mich denken. Das war überwältigend”, so Teresa. 

Von Social Media hält sie sich größtenteils fern. “Ich werde nie das optimale Christkind von allen sein können und das ist auch gar nicht mein Anspruch. Ich glaube, dem kann man gar nicht gerecht werden.” Die absolut richtige Einstellung, wie wir finden.

Ein voller Terminkalender

Auf das neue Christkind kommt eine stressige Zeit zu. Rund 100 Termine stehen im Dezember an. Durch Corona natürlich unter besonderen Bedingungen. Vieles wird nach draußen verlegt und die Abstandsregelungen verschärft. Einige Termine, wie der bekannte Prolog auf der Empore der Frauenkirche können aufgrund Corona leider gar nicht stattfinden. Er wird nur digital übertragen. 

Teresa zeigt auf die Empore der Frauenkirche. Dort wird sie dieses Jahr leider nicht stehen.

“Natürlich bin ich da etwas traurig, dass nicht alles so stattfinden kann, wie ich es mir immer vorgestellt habe”, so Teresa. Trotzdem ist sie froh, dass manches überhaupt stattfindet und sie das Amt des Christkinds ausüben kann. Schließlich geht es ihr darum, den Menschen eine Botschaft zu übermitteln, die Weihnachtszeit zu versüßen und Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Und das schafft Teresa sicherlich auch unter diesen Bedingungen.

Ihr neues Kostüm durfte Teresa die Tage auch endlich anprobieren. Ein langes, weiß-goldenes Gewand mit goldenen Sternen. Auf dem Kopf eine goldene Krone. Für Teresa ein greifbarer Moment, in dem sie realisiert: “Ich bin jetzt das Christkind”.

Alles andere war mir plötzlich total egal. Es war unbeschreiblich und lässt sich kaum in Worte fassen.

Teresa Windschall, als sie das erste Mal ihr Kostüm anprobiert

Zwischen Terminen und Schulbank

Außerhalb ihres Amtes als Christkindes ist Teresa eine bodenständige, 17-Jährige junge Frau. Sie geht auf die Wilhelm-Löhe-Schule und macht in diesem Schuljahr ihr Abitur. Im Dezember ist sie von der Schule freigestellt, anstehende Klausuren und Schulstoff muss sie im Januar nachholen. “Den Stress nehme ich aber gerne in Kauf. Das schöne Gefühl überwiegt”, so Teresa. Eben ein echter Kindheitstraum.

Du willst Teresa Windschall, das Nürnberger Christkind, noch besser kennenlernen? Lies unser Interview mit ihr. Oder schau es dir auf YouTube an.

Auch wenn die Weihnachtsmärkte abgesagt sind, ist es trotzdem schön, ein Christkind für unsere Stadt zu haben. Denn Weihnachten ist etwas besonderes, fast schon magisches. Wie Teresa richtig formuliert hat, fühlt es sich an wie Geburtstag für alle. Eine hoffnungsvolle und besinnliche Stimmung, in der für eine kleine Weile alles ruhig um einen ist und nur die wichtigen Dinge zählen. Genau diese  Weihnachtsbotschaft möchte das neue Christkind uns vermitteln. Mit Erfolg, da sind wir uns sicher.