Hundetrainer Marcel Goller aus Nürnberg setzt auf Beziehung statt Erziehung und schafft mit seinem „Rund um Hund Coaching“ eine einzigartige Verbindung zwischen Mensch und Hund. Im interview mit deinNämberch erklärt er, wie sein innovatives „Bark Date“ Tierschutzhunde und potenzielle Halter zusammenbringt und langfristige, nachhaltige Vermittlungen fördert.
Marcel, was bedeutet Nürnberg für dich – privat und beruflich als Hundetrainer?
Privat ist Nürnberg mein soziales Fundament. Hier habe ich mir ein stabiles, selbstgewähltes Umfeld geschaffen. Die Stadt hat die ideale Größe: urban, aber nicht anonym, mit einer klaren Identität. Sie ist meine Heimat in Bezug auf Beziehungen, nicht nur geografisch.
Beruflich ist Nürnberg als mobiler Hundetrainer nicht nur mein Wohnort, sondern auch mein Kundenmarkt. Die hohe Einwohnerzahl und Hundedichte passen perfekt zu meinem Ziel, Menschen und ihren Hunden zu einem harmonischeren Miteinander zu verhelfen. In Nürnberg kann ich mich durch Fachwissen, Struktur und Spezialisierung auf qualitätsorientierte Angebote abheben.

Wann hast du „Rund um Hund Coaching Nürnberg“ gegründet und welche Philosophie verfolgst du in deiner Arbeit mit Mensch und Hund?
Im Mai 2022. Mein Grundsatz: Erziehung durch Kooperation und soziale Unterstützung, nicht durch Hemmen und Strafen. Positive Bestärkung, bedürfnisorientiert und gewaltfrei. Viele unterschätzen, dass Hundetraining vor allem Menschen-Coaching ist.

Was sind die häufigsten Missverständnisse, denen du begegnest?
Viele Verhaltensweisen von Hunden muss man akzeptieren und entsprechend managen. Hunde kennen kein „Fehlverhalten“; das ist unsere menschliche Sichtweise. Es ist unfair, angezüchtete Verhaltensweisen als Problem zu stempeln und Unmögliches zu verlangen. Jeder Hund ist ein Individuum, auf dessen Bedürfnisse man eingehen muss. Natürlich darf die Umwelt nicht leiden und niemand soll Schaden nehmen. Aber wir dürfen Hunde nicht psychisch drangsalieren, indem wir sie unseren Vorstellungen anpassen wollen.
Was ist das „Bark Date“?
Ein Kennenlern-Event für Tierschutzhunde auf öffentlichen Flächen in Deutschland. Wir glauben, dass die Auswahl eines Hundes nicht nur auf Bildern basieren sollte, sondern durch direkte Begegnungen. Unsere Vision: Tierschutz verbessern, indem wir Menschen und Hunde in entspannter Umgebung zusammenbringen. So schaffen wir die Basis für lebenslange Freundschaften und informieren über Tierschutz.

Viele Menschen entscheiden sich für Tierschutzhunde statt Zuchttiere. Die Suche kann überwältigend sein, da viele Tiere online oder im Tierheim verfügbar sind. Vorurteile erschweren oft die Vermittlung. Wir wollen Tierschutz zugänglich machen, indem wir zentral gelegene Flächen nutzen. So modernisieren wir die Wahrnehmung der Tierschutzarbeit und ermöglichen einen positiven Zugang.

Wie kam es zu dieser Idee?
Das Eventformat entstand aus einem klassischen Problem im Tierschutz: Viele Vermittlungshunde werden online gesehen, aber nicht „erlebt“. Die Gründerin des „Bark Date“ beobachtete, dass Anzeigen oft austauschbar wirken und Hunde im Tierheim nicht ihr echtes Verhalten zeigen. Interessenten haben Hemmungen, ins Tierheim zu gehen, aber der Funke springt oft erst im persönlichen Kontakt über. Die Idee: Begegnungen zwischen Mensch und Hund positiver und alltagsnäher gestalten als im stressigen Tierheim. Ein lockeres Event mit kontrollierten Begegnungen und fundierten Gesprächen mit Fachleuten vor Ort.
Was macht dieses Format so erfolgreich?
Im Fokus stehen bessere Matching-Chancen, mehr Sichtbarkeit für schwer vermittelbare Hunde und der emotionale Zugang statt rein rationaler Auswahl. Menschen entscheiden sich bei der Adoption stark über Gefühl. Hunde mit Unsicherheiten oder speziellen Bedürfnissen profitieren, weil sie außerhalb des Tierheimkontexts anders wirken. Ein ruhiger Spaziergang zeigt ihr Sozialverhalten und Stresslevel im echten Umfeld, was die Aussicht auf echtes Training und Integration erhöht.
Wie wichtig ist das Netzwerk mit Tierärzten und Tierschutzorganisationen für nachhaltige Vermittlungen?
Ein starkes Netzwerk ist entscheidend für stabile Mensch-Hund-Teams. Abgaben entstehen meist durch ein Zusammenspiel aus Verhalten, Gesundheit, Erwartungen und Alltag. Die enge Zusammenarbeit von Trainern, Tierärzten, Verhaltenstherapeuten und Tierschutzvereinen hilft, Probleme früh zu erkennen und Rückgaben zu vermeiden – besonders bei unsicheren Tierschutzhunden oder unbekannten Vorerkrankungen.
Medizinische Abklärung vor Trainingsstart ermöglicht realistische Pläne und bessere Vermittlungen. Gleichzeitig sorgt ein Netzwerk für fundierte Einschätzungen vor der Adoption, Begleitung in der Anfangsphase und langfristig für zufriedenere Kunden sowie einen stabilen Kundenstrom.

Was wünschst du dir langfristig für den Tierschutz und die Hundehaltung in Nürnberg?
Ich wünsche mir mehr Qualität, Verantwortung und Fachlichkeit im System – nachhaltiger statt schneller. Realistische Einschätzungen vor der Vermittlung, ehrliche Kommunikation über Baustellen und passende Halter statt „schneller Adoptionen“. Eine enge Zusammenarbeit von Trainern, Tierärzten und Tierschutz mit klarer Nachbetreuung statt „Wir vermitteln und dann schauen wir mal“.
Ich setze mich für bessere Chancen unsicherer Hunde, realistische Trainingsbegleitung und mehr Verständnis für Verhalten ein – besonders in einer Großstadt wie Nürnberg. Statt Trendanschaffungen braucht es Aufklärung, alltagstaugliches Training und realistische Erwartungen.
Tierschutz ist kein Event, sondern Verantwortung. Weniger Rückgaben durch gute Vorbereitung, enge Begleitung in den ersten Monaten und ein System, das Vermittlung, Training, Medizin und Aufklärung zusammendenkt.
Vielen Dank für das interessante Gespräch!
