Wenn Marcus König von seiner Stadt erzählt, dann beginnt er nicht mit Politik, sondern mit seiner Kindheit. Geboren und aufgewachsen in Nürnberg, am Dutzendteich im ehemaligen Internat des St.-Paul-Seminars zur Schule gegangen. Er schildert seinen Weg voller Ehrlichkeit, spricht von der Angst vor dem Quali, von Fleiß und Aufstieg auf die Wirtschaftsschule. Und er fügt hinzu: „Ich war immer in Nürnberg, habe hier gearbeitet, war jahrelang bei der Bank, über 21 Jahre. Nürnberg hat mich nie losgelassen.“
Seine Verbindung zur Stadt ist nicht nur beruflich, sondern zutiefst privat. Die Jugendliebe aus der vierten Klasse wurde seine Frau, der Sohn wurde in Nürnberg geboren. König sagt es schlicht: „Ich bin ein Nürnberger durch und durch.”

Geschichte als Identität
Sein Blick auf Nürnberg ist von Geschichte geprägt. Er erzählt vom Wiederaufbau nach dem Krieg, von Brüchen und Neuanfängen. „Eine Stadt, die in Schutt und Asche gelegt worden ist, hat sich wieder zu einer schönen und lebenswerten Stadt hochgearbeitet.“ Für ihn liegt die Stärke Nürnbergs darin, aus Krisen zu lernen. Die Museen sind für ihn nicht nur Häuser voller Exponate, sondern Spiegel der Stadt. Wer die Ausstellungen besuche, könne die Transformationen der Stadt vom Mittelalter bis heute nachfühlen.
Nürnberg, der unterschätzte Riese
König beschreibt Nürnberg als „Underdog der Großstädte“. Viele unterschätzten Größe und Bedeutung. „Unsere Gäste führen wir gerne durch die Altstadt – dabei schätzen sie unsere Einwohnerzahl auf maximal 280.000. Und dann erkläre ich Ihnen, dass es fast 550.000 sind.“ Für ihn steckt in Nürnberg eine Kraft, die oft übersehen wird. Besucher kommen, staunen und bleiben – das ist auch das Motto der Metropolregion und trifft für König auf Nürnberg im Besonderen zu!
Politik zum Anfassen
Sein Ansatz als Oberbürgermeister: nah dran an den Menschen. König setzt auf Spaziergänge, Radtouren, Bürgerbeteiligung. „Nicht der Oberbürgermeister allein entscheidet, sondern wir alle gestalten unsere Stadt.“ Er sucht das Gespräch auf Marktplätzen, in Vereinen, im direkten Kontakt.
Auch online ist er präsent, gemeinsam mit einem Mitarbeiter betreibt er seine Social-Media-Kanäle. „Ich bin einer der wenigen, der auch auf Social Media eine Antwort gibt“, betont er. Anfeindungen gebe es zwar, aber sie blieben in Grenzen. Viel mehr beschäftigt ihn, dass Menschen sich „nicht mehr gesehen“ fühlen. Dagegen stellt er persönliche Präsenz und den direkten Austausch.

Vom Eisbecher in die Junge Union
Königs politischer Werdegang begann früh. Von Helmut Kohl inspiriert, wollte sich Marcus König ein Bild von den politischen Gruppierungen in der Region machen. Nach Einblicken in die Arbeit der SPD und Grünen, trat er mit 13 Jahren in die Junge Union ein – auch wenn das eigentlich erst ab 14 erlaubt war.
Der Auslöser war ein Eisessen in der Mögeldorfer Eisdiele Cristallo: „Zwei Kugeln Schokolade, eine Kugel Stracciatella, dann habe ich den Antrag unterschrieben.“ Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, wenn er davon erzählt. Daraufhin folgte echtes Engagement: Unterstützung bei Wahlkämpfen, Stadtrat ab 2002, Fraktionsvorsitzender 2017, schließlich Oberbürgermeister 2020.
Ein Amt voller Verantwortung
Die ersten Tage als Oberbürgermeister beschreibt er als surreal. Wegen Corona keine Feier, stattdessen ein Anstoßen mit der Frau zuhause. Am nächsten Tag gab es direkt Sitzungen mit dem Katastrophenschutz und Abkürzungen, die er erst lernen musste. „Du gehst als Marcus König ins Bett und bist am nächsten Tag Oberbürgermeister.“ Er betont, dass er trotz aller Verantwortung sich selbst treu geblieben sei. „Das Amt ist das Amt, aber Marcus König ist der gleiche wie vor der Wahl.“
Krisenjahre prägen
Die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine, Energieengpässe, ein brennendes Kraftwerk – seine Amtszeit war von Krisen bestimmt. König erzählt von rund 12.000 Ukrainerinnen und Ukrainern in der Stadt – auch aufgrund der bereits etablierten ukrainischen Community, die schon vor Kriegsausbruch bestand.
Er berichtet von Generatoren, die in Europa aufgetrieben werden mussten, um nach dem Kraftwerk-Brand Stadtteile zu versorgen. Und von Blackout-Plänen. Er wirkt dabei nüchtern, aber auch stolz, dass Nürnberg diese Situationen bewältigt hat.
Trotz der Krisen hebt er Erfolge hervor: Schulausbau, digitale Verwaltung, neue Bürgerämter, Investitionen großer Unternehmen, Programme für Klimaresilienz. Wirtschaft und Bildung seien die Grundlage, um Nürnberg zukunftsfähig zu machen.
“Nürnberg ist unter den drei Top-IT-Standorten deutschlandweit! Wir brauchen Diversität und Stabilität in der Wirtschaft, denn dadurch können wir in Klimaprojekte, in Bildungsprojekte und in sozialen Zusammenhalt investieren.“
Reflexion und Selbstkritik
Doch er verschweigt Probleme nicht. Baustellen, die zu lange dauern, gescheiterte Karstadt-Rettungsversuche, Verzögerungen bei Schulbauten – das sei natürlich unbefriedigend. Manches sei nicht beeinflussbar, manches müsse schneller gehen. Aber er sagt auch: „Wir wollen Lust auf Nürnberg machen, wir packen weiter gemeinsam an.“

Blick nach vorne
Seine Motivation für eine zweite Amtszeit? König zeigt aus dem Fenster unserer Büroräume im 26. Stock des Business Towers: „Das ist die größte Motivation – der Blick über unser schönes Nürnberg. Ich möchte, dass wir gemeinsam unsere Chancen nutzen , Brücken bauen und die Vielfalt unserer Stadt als Gewinn sehen.“
Diese Vielfalt beschreibt er mit Bildern, die jeder kennt: Nürnberg als Handelszentrum im Mittelalter. Der Lebkuchen, dessen Zutaten aus Indien und dem Orient stammen. Die Bratwurst, die Gewürze aus aller Welt enthält. „Die Welt steckt in sieben Zentimetern“, sagt er. Für ihn ist Vielfalt auch die Chance, Wissenschaft und Wirtschaft zu verbinden – von KI-Forschung bis zur Förderung von Nürnberg als Industriestandort.
Ein anderer Politikstil
Über Konkurrenten verliert er kein schlechtes Wort. Dr. Nasser Ahmed sei „agil und empathisch“, Britta Walthelm eine geschätzte Mitstreiterin. König betont, dass er nie auf andere eingedroschen habe. „Ich binde die guten Ideen aller mit ein.“ Werte wie Menschlichkeit und Demokratie seien für ihn entscheidend – über Parteigrenzen hinweg.
Wunschbild 2050
Am Ende zeichnet er ein Bild für die Zukunft: Nürnberg im Jahr 2050. Grün, klimaresilient, wirtschaftlich stark. Eine Stadt, in der Vielfalt selbstverständlich ist und niemand sich abgehängt fühlt. Eine Stadt, in der man zurückblickt und sagen kann: „Wow, was haben wir erreicht.“
