InterviewExpats in Nürnberg: Drei Frauen, drei Perspektiven
Ein Gespräch mit den PwC-Mitarbeiterinnen Ela Čoga aus Šibenik (Kroatien), Juan Tao aus Nanjing (China), und Shijie Cheng aus Shanghai (v.l.n.r.) über das Ankommen, den Alltag und die Vorzüge eines Lebens in Nürnberg.
Wann seid ihr nach Nürnberg gekommen und wie war euer erster Eindruck?
Ela Čoga: Ich bin vor ca. zweieinhalb Jahren nach Deutschland gezogen – nach einem kurzen Abstecher nach Ingolstadt bin ich in Nürnberg gelandet! In meinem Heimatort an der kroatischen Küste ist das Leben sehr entspannt und das Wetter meistens toll, daher waren das Klima und die Kultur erstmal eine neue Erfahrung für mich.
Juan Tao: Ich bin schon seit 2014 in Nürnberg. Damals habe ich hier an der FAU studiert und bin dann zu PwC gekommen. Ich mochte die Stadt von Anfang an, weil sie so überschaubar ist. Man kann sich kaum verlaufen, alles ist gut organisiert und nach einer Woche hatte ich schon meine Lieblingsrestaurants gefunden. Das Leben hier ist einfach – im besten Sinne.
Shijie Cheng: Ich bin 2024 nach Nürnberg gezogen und bin die „Neue“ hier in der Runde. Für mich war es direkt ein Kulturschock – aber ein positiver. In Shanghai ist man umgeben von Hochhäusern, hier in Nürnberg sind es die charmanten, alten Häuser, die sofort ins Auge fallen. Diese historische Atmosphäre, gepaart mit der Ruhe und dem tollen Ausblick war für mich komplett neu.
Im Gespräch mit drei Expats der PricewaterhouseCoopers-Niederlassung Nürnberg: deinNämberch-Redakteurin Cornelia Gross (rechts) und Christian König, PricewaterhouseCoopers GmbH (links).
Was schätzt ihr besonders an Nürnberg?
Juan Tao: Die historische Architektur der Stadt hat mich gleich beeindruckt, ebenso wie diekurzen Wege. In Nanjing, meiner Heimatstadt, musste ich mindestens eine halbe Stunde Fahrtzeit einplanen – hier in Nürnberg kann ich meine Freunde einfach mit dem Fahrrad besuchen.
Shijie Cheng: Nürnberg wirkte auf mich sehr ruhig und entspannt – ein starker Kontrast zu meiner Heimatstadt Shanghai. Man hat das Gefühl, dass die Menschen ihr Leben hier genießen können. Ich liebe die Parks in Nürnberg – besonders den Stadtpark. Sie bieten so viele Möglichkeiten, die Natur zu genießen.
Ela Čoga: Für mich ist es die Sicherheit. Ich komme aus einer sehr sicheren Gegend in Kroatien, wo man als Frau auch nachts alleine unterwegs sein kann – und genau dieses Gefühl habe ich hier in Nürnberg. Außerdem liebe ich die Mischung aus Geschichte und Natur. Mein Samstag-Morgen-Ritual ist ein Kaffee auf der Burg mit Blick über die Stadt. Das ist für mich ein perfekter Start ins Wochenende.
Ela ČogaJuan TaoShijie Cheng
Wie empfindet ihr die fränkische Mentalität? Habt ihr euch willkommen gefühlt?
Shijie Cheng: Ich schätze die Freundlichkeit der Menschen hier sehr. Obwohl ich im Alltag meist Englisch spreche, habe ich immer wieder erlebt, dass Leute mir helfen – sei es in der Bäckerei oder im Supermarkt, wenn die Kommunikation mal hakt. Das gibt mir das Gefühl, willkommen zu sein.
Juan Tao: Ich fühlte mich sehr willkommen und finde die Stadt besonders weltoffen. Das mag an den vielen internationalen Unternehmen oder auch der weltweit agierenden Messe liegen. Aber auch im persönlichen Umfeld habe ich gute Erfahrungen gemacht. Ich habe einige sehr enge Freundschaften aufbauen können – echte Verbindungen, die weit über oberflächliche Bekanntschaften hinausgehen.
Ela Čoga: In unserer Kultur sind wir gewohnt, selbst fremde Menschen zum Essen in unser Haus einzuladen. Das ist hier anders, aber dennoch habe ich mich immer wohl gefühlt. Sicherlich auch, weil wir bei PwC einen tollen Zusammenhalt unter den Kollegen haben. Aber ebenso, weil ich mich hier einfach sicher fühle.
Habt ihr einen Lieblingsplatz in Nürnberg?
Juan Tao: Ich liebe den Hauptmarkt, die historische Altstadt und den Bürgermeistergarten im Frühling.
Shijie Cheng: Ja, da hast du mich schon hingeführt. Ich freue mich darauf, jetzt im Frühling mehr von der Stadt zu entdecken.
Ela Čoga: Die Burg! Vor allem an einem sonnigen Tag mit einem Kaffee in der Hand und dem schönsten Blick auf Nürnberg.
Juan Tao: Ich freue mich schon jetzt auf die vielen Festivals wie z. B. das Bardentreffen, die die Stadt wieder in ein buntes Fest verwandeln.
Gibt es Herausforderungen oder Dinge, die ihr euch anders wünschen würdet?
Ela Čoga: Ich komme aus einer sehr lebendigen Kultur, in der immer etwas los ist – das fehlt mir hier manchmal. Gerade in den kälteren Monaten scheint Nürnberg ein bisschen zu schlafen. Da würde ich mir mehr Veranstaltungen und kulturelles Leben wünschen, das sich nicht nur auf den Sommer konzentriert.
Juan Tao: Ich sehe das ähnlich. Auch beim Shopping könnte die Stadt etwas attraktiver werden. Viele hochwertige Markenläden verschwinden, und das zieht natürlich weniger Leute in die Innenstadt. Da könnte die Stadt vielleicht kreativer werden – mit mehr Unterstützung für kleine, spannende Läden.
Shijie Cheng: Für mich persönlich war das Ankommen relativ einfach. Die Bürokratie war überraschend unkompliziert, und auch mit dem öffentlichen Nahverkehr bin ich sehr zufrieden. Ein Wunsch wäre vielleicht, dass es noch mehr Orte gibt, wo sich Expats gezielt vernetzen können – aber insgesamt fühle ich mich hier sehr wohl.