Die richtige Schule zu finden ist sowohl für Schüler als auch für deren Eltern nicht immer einfach. Zwischen den “Standard-Möglichkeiten” wie Mittelschule, Realschule und Gymnasium gibt es beispielsweise auch die Städtische und Staatliche Wirtschaftsschule Nürnberg. Ehemalige Wirtschaftsschüler berichten in diesem Artikel von ihren Erfahrungen mit der Schule.

Marcus König
Lorena Garcia Buendia

Marcus König begeisterte an der Wirtschaftsschule vor allem der Praxisbezug. Nach seiner Schulzeit machte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und arbeitete sich bis zur Stelle des Leiters der größten Filialdirektion einer namhaften Bank in Nürnberg hoch. Im März 2020 wurde Marcus König zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg gewählt.

Lorena Garcia Buendia schätzte die Lernatmosphäre an ihrer Schule. Nachdem sie ihren Abschluss machte, trat sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau an. Sie ist ebenfalls im Finanzsektor tätig und baut sich nebenbei ihre eigene Firma auf.

Was haben Sie an der Wirtschaftsschule gelernt, was Ihnen nun im Beruf oder Studium weiterhilft?

Marcus König: “Für mich war die Wirtschaftsschule die perfekte Kombination aus Theorie (z.B. Rechnungswesen, BWL und VWL) und aus der Praxis (vor allem im Rahmen der Übungsfirma). Die Zeit dort hat mir gut gezeigt, wie es in einer Ausbildung oder im Berufsleben zugeht – das hat mir dann letztendlich auch sehr bei meinem Start in die Arbeitswelt geholfen.”

Lorena Garcia Buendia: “Die Wirtschaftsschule hat mir die Basis für meinen beruflichen Werdegang geboten. Die dort erlernten wirtschaftlichen Kenntnisse verhalfen mir von meiner Ausbildung bis hin zu meiner akademischen Bildung.”

Warum haben Sie sich auf der Wirtschaftsschule wohlgefühlt?

Marcus König: “An der Wirtschaftsschule hatten wir tolle Lehrer, aber auch eine tolle Klassengemeinschaft – wir kamen ja alle aus den verschiedensten Schularten. Vor allem der Wirtschaftsbezug hat mir an der Schulart gefallen.”

Lorena Garcia Buendia: “Nicht nur die Lehrer, sondern auch meine Mitschüler sorgten für eine angenehme Lernatmosphäre. Ich habe bis heute noch Kontakte zu ehemaligen Wirtschsftsschülern. Einige sind seitdem meine besten Freunde.”

Wie war die Wirtschaftsschule als Schule?

Marcus König: “Die Wirtschaftsschule war eine Kombination aus vielen Dingen. Eine Schule, die noch familiär war: nicht zu groß und man hatte einen guten Kontakt zu den Lehrern. Die Mischung aus Theorie und Praxis war sehr gut – obwohl ich eher der Praxis-Typ war.”

Lorena Garcia Buendia: “Die Wirtschaftsschule hat für mich eine gute Basis für meine persönliche Entwicklung dargestellt. Ich wurde nicht nur fachlich, sondern auch persönlich gebildet. Was mir besonders gefiel war, dass ein besonderes Augenmerk auf soziale Kompetenzen gelegt wurde.”

Wie kamen Sie damals zur Wirtschaftsschule?

Marcus König: “Ich bin in einem Jugendinternat in Nürnberg groß geworden. Wir haben dort zusammen gelebt und unsere Freizeit verbracht, sind aber auf verschiedene Schulen in Nürnberg gegangen. Bevor ich auf die Wirtschaftsschule kam, war ich von der fünften bis zur achten Klasse auf der Mittelschule. 

Ein einschneidendes Erlebnis für mich war der Besuch des Arbeitsamtes. Es ging drum, dass wir uns dort über verschiedenste Berufe informieren. Dafür gab es drei Ordner: einen Roten für Schüler mit qualifiziertem Mittelschulabschluss, einen Gelben für Leute mit der mittleren Reife und einen Grünen für Abiturienten. Als ich mich lang mit dem roten Ordner beschäftigte, war kein einziger Job dabei, bei dem ich dachte, dass er passend für mich wäre. Im gelben Ordner wurde ich fündig, mir war aber auch klar, dass ich dafür einen anderen Abschluss brauchte. Auf dem Internat sprach ich dann mit ein paar Leuten, die begeistert von der Wirtschaftsschule in Nürnberg berichteten – so fiel mein Entschluss.”

Lorena Garcia Buendia: “Über meine damalige Mittelschule erfuhr ich über das Bildungsangebot der Wirtschaftsschule.”

Der Pausenhof der Wirtschaftsschule

Welchen Tipp würden Sie neuen Wirtschaftsschülern mit auf den Weg geben?

Marcus König: “Hinsetzen, durchkämpfen, manchmal auch den inneren Schweinehund besiegen – denn wenn man das durchsteht, stehen einem viele Türen offen.”

Lorena Garcia Buendia: “Mein Tipp ist, dass du dich als künftiger Wirtschaftsschüler nicht unter Druck setzen solltest. Du wirst bestens auf die Abschlussprüfung vorbereitet. Du hast dich für die richtige Schule entschieden. Selbst wenn du nach deiner Schulzeit keinen kaufmännischen Beruf ausüben möchtest, wirst du viel für dein Privatleben mitnehmen können.”

Wie war Ihr genauer Weg nach der Wirtschaftsschule?

Marcus König: “Nach meinem Abschluss der mittleren Reife bin ich noch ein Jahr auf die Fachoberschule gegangen – dort hat mir dann aber der Praxisbezug gefehlt. Die elfte Klasse habe ich noch durchgemacht, danach habe ich mich aber beworben und sehr zügig einen Ausbildungsplatz als Bankkaufmann bekommen. Dort habe ich ganz normal am Schalter angefangen, habe mich dann immer weiter hochgearbeitet und in den letzten 10 Jahren Führungsaufgaben übernommen – schlussendlich war ich im mittleren Management und habe die größte Filialdirektion der Commerzbank in Nürnberg geleitet.”

Lorena Garcia Buendia: “Nachdem ich die Wirtschaftsschule mit der mittleren Reife abschloss, machte ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Im Anschluss daran sammelte ich nationale, als auch internationale Berufserfahrungen. Daraufhin bildete ich mich zur staatlich geprüften Betriebswirtin im Schwerpunkt Außenwirtschaft weiter und studierte Wirtschaftswissenschaften an der FAU hier in Nürnberg. Nun bin ich im Finanzsektor tätig und baue mir parallel hierzu mein eigenes Business auf.”

Alle interessierten Eltern und zukünftigen Schüler und Schülerinnen erhalten auf der Webseite der Städtischen und Staatlichen Wirtschaftsschule Nürnberg noch mehr Informationen zum Übertritt. Schulanmeldungen für die Wirtschaftsschule sind jederzeit möglich – auch in Zeiten von Corona.