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InterviewAtelierhaus Rauschhuber – Kunst, Geschichte und ein Ort voller Poesie

Was bedeutet Nürnberg für dich persönlich?
Nürnberg ist meine Heimat. Ich liebe diese facettenreiche Stadt und entdecke stets Neues, obwohl ich mein ganzes Leben hier verbracht habe. Der mittelalterliche Charakter und die historische Bedeutung faszinieren mich: Kaiserstadt, freie Reichsstadt, Handelsmetropole. Hier findet man großartige Architektur, Kirchen, Museen, beeindruckendes Kunsthandwerk – und natürlich Albrecht Dürer. Eine geballte, wechselvolle Geschichte.

Auch die dunklen Kapitel gehören dazu: der Dreißigjährige Krieg und der Makel der „Reichsparteitagsstadt“, den Nürnberg nicht abschütteln kann.

Ich schätze das schöne Umland – die alten Dörfer, die Fränkische Schweiz. Ich bin dort viel gewandert. Aufgewachsen bin ich in Ziegelstein, einer ruhigen, fast ländlichen Gegend. Das Klopfen der Steine, das Arbeiten mit Hammer und Meißel – das klingt mir bis heute in den Ohren.

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Alle Fotos: Atelierhaus Rauschhuber

Wer war Luis Rauschhuber? Was macht sein Werk aus?
Er war ein großer Künstler und wundervoller Mensch. Seine Arbeiten sind ehrlich und authentisch, nichts wirkt gekünstelt. Seine Aussage ist offen, direkt und klar – zugleich emotionsreich und innig, ohne je kitschig zu werden.

Je länger ich eine Skulptur oder Zeichnung betrachte, desto mehr entdecke ich darin. Die Werke gewinnen an Tiefe – ich kann mich kaum sattsehen.

Wie entstand die Idee, das Atelierhaus für die Öffentlichkeit zu öffnen?
Ein Wunschtraum ging in Erfüllung. Als meine Mutter verstarb und das Haus in meine Hände überging, hätte ich nie an diese Möglichkeit gedacht. Nur eines war klar: Das Haus musste erhalten bleiben. Es durfte nicht abgerissen werden.

Es sollte in seinen Ursprungszustand zurückgeführt werden, denn dieser war voller Poesie. Das ist gelungen. Die tatkräftige Mitarbeit und Unterstützung unserer Tochter Johanna machten das möglich – und vielleicht auch ein wenig „Hilfe von oben“.

Nach der Renovierung stellte sich die Frage: „Und was jetzt? “ Das Gabriele-Münter-Haus in Murnau war ein fernes Vorbild. Zunächst schien klar, dass das Haus vermietet werden müsste, da Johanna es nicht selbst bewohnen konnte.

Doch der Wunsch, dieses Zusammenspiel aus Haus, Garten und Kunstwerken zu bewahren und interessierten Menschen zu öffnen, wurde Wirklichkeit. Die Landesstelle für nichtstaatliche Museen unterstützte das Projekt. Die Idee des „Wohnens im Museum“ – dass Mieter zugleich als Kuratoren im Haus leben und zur Erhaltung beitragen – gab den entscheidenden Impuls. Diese Idee stammt von einer guten Freundin, einer Kunsthistorikerin. Im Juni 2025 feierten wir die Eröffnung.

Wie ist es, als Familie mit diesem künstlerischen Erbe zu arbeiten?
Nicht alle sind damit glücklich. Es floss viel Geld, Herzblut, unzählige Stunden Arbeit und auch viel Aufregung. Oft dachten wir, es geht nicht mehr weiter. Und doch ging es immer wieder – fast wie durch ein Wunder.

Für mich ist diese Aufgabe jedoch ausschließlich positiv. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Fertig wird man damit nie – es entstehen immer neue Anforderungen. Ich empfinde das als bereichernd.

Zum Glück stehen meine Kinder hinter mir, vor allem meine Tochter Johanna Junold, die das Projekt künftig übernehmen möchte.

Was erwartet Besucher im Atelierhaus?
Ein authentischer Künstlerwohnort – ein warmes, persönliches Zuhause, ideenreich gestaltet, schlicht und liebevoll gepflegt. Hier öffnet sich die intime Welt einer leidenschaftlichen Künstlerpersönlichkeit.

In seinen Werken drückt sich Rauschhubers ganzes Wesen aus: seine Gedanken, seine Gefühle, sein tiefer Glaube und seine Nähe zu Gott. Wer dafür empfänglich ist, spürt das deutlich. Viele Besucher berichten, dass sie diesen Ort gestärkt und erfüllt von Wärme verlassen.

Was unterscheidet euer Museum von klassischen Ausstellungen?
Es ist ein individueller Ort – ehrlich und nicht künstlich inszeniert. Nichts wird aufgesetzt präsentiert, sondern das Vorhandene stilvoll gezeigt. Dadurch entsteht eine besondere Lebendigkeit.

Ein weiterer Unterschied: Es kostet keinen Eintritt. Die Besucher werden mit einer herzlichen Begrüßung empfangen und gegen eine kleine Spende gibt es ein Erfrischungsgetränk und eine Kunstkarte.

Wie habt ihr die ersten Monate seit der Eröffnung erlebt?
Zu Beginn kamen viele Besucher. Der Start war gelungen. Das lag sicher auch an der großen Aufmerksamkeit in den Medien: Es erschienen umfangreiche Zeitungsartikel mit ansprechenden Bildern und guten Texten, ebenso Berichte in Fachzeitschriften.

Das hat uns sehr gefreut – und es zeigte Wirkung. Nachdem diese erste Welle abgeklungen war, wurde es ruhiger. Zeitweise sogar so ruhig, dass wir uns fragten: Wie geht es weiter?

Gibt es Pläne für Events, Führungen oder besondere Formate im Atelierhaus?
Momentan noch nicht konkret. Wir haben einige Ideen, aber es ist nicht einfach. Die Räumlichkeiten sind klein, eine Bestuhlung schwierig. Der Garten wäre eine Möglichkeit, doch das Wetter bleibt ein Unsicherheitsfaktor.

Führungen bieten wir immer an, wenn Interesse besteht. Dabei geben wir zurückhaltend Hintergrundinformationen, um den Betrachter nicht mit Daten zu erschlagen. Die Werke sprechen für sich selbst.

Luis Rauschhuber meinte: Wenn man sich vor einem Kunstwerk fragen muss, „Was hat der Künstler sich dabei wohl gedacht? “, dann ist es meist rein dekorativ. Anders verhält es sich bei symbolischer Kunst – hier kann Hintergrundwissen hilfreich und manchmal notwendig sein.

Warum sollte man sich einen Besuch bei euch nicht entgehen lassen?
Weil unser kleines Museum schön und anregend ist. Seht und beurteilt es selbst.
Hier scheint die Zeit stillzustehen. Es herrscht eine wohltuende, ruhige Atmosphäre – ein stiller Ort, in dem die ausdrucksstarken Werke Rauschhubers umso besser wirken können.

Vielen Dank für dieses interessante Gespräch!

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