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Interview

„Secondhand heißt bei uns nicht Verzicht“ – Hanni über Premium-Secondhand, Nachhaltigkeit und eigenen Stil

HANNI Secondhand steht für handverlesene Premium-Secondhand-Mode mitten in der Nürnberger Altstadt – und für die Idee, dass Nachhaltigkeit und guter Stil kein Widerspruch sein müssen. Im Interview mit deinNämberch spricht Gründerin Hanni über ihren Weg vom Instagram-Account über erste Pop-ups bis zum eigenen Laden in der Augustinerstraße. Außerdem erzählt sie, warum bei HANNI Qualität wichtiger ist als die Marke, weshalb Secondhand nichts mit Wühltischen zu tun haben muss und warum viele ihrer Kundinnen und Kunden eigentlich wegen des Stils kommen – und ganz nebenbei bewusster konsumieren.


Wer oder was ist HANNI Secondhand – für alle, die dich/euch noch nicht kennen?

HANNI Secondhand ist mein Laden in der Nürnberger Altstadt für Premium-Secondhand – Kleidung, die schon ein Leben hinter sich hat, aber noch lange nicht ausgedient hat. Kein Wühltisch, keine Fast Fashion, sondern handverlesene Stücke von Marken wie Closed, GANNI oder Drykorn. Bei uns kannst du in entspannter Boutique-Atmosphäre shoppen und auch deine eigene Kleidung verkaufen. Und weil alles bei Instagram angefangen hat, sind wir auch @hannisecondhand ganz nah bei unserer Community.

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Wie ist die Idee entstanden, einen Secondhand-Laden in Nürnberg zu eröffnen?

Ich komme aus der Modebranche, hab in einem großen Modehaus in Nürnberg meine Ausbildung gemacht und dort gearbeitet. Aber ich wollte eigentlich nie wieder was mit Mode machen, weil mir die Branche zu oberflächlich war – man ist nur cool, wenn man die neueste Kollektion trägt, und nach einem halben Jahr verstaubt alles wieder im Schrank. Was mich getrieben hat, war eher der Wunsch nach Selbstständigkeit: Ich wusste nicht genau was, aber ich wusste, dass ich mein eigenes Ding machen will. Angefangen hab ich mit Instagram – Outfits gepostet, einzelne Teile verkauft, dann kleine Pop-ups mit zwei, drei Kleiderstangen. Als es zu viel für meine Wohnung wurde, hatte ich das Glück, dass ein Freund eine leere Loft-Wohnung in Gostenhof hatte, die erst mein Lager, dann mein Showroom wurde. Und dann kam relativ schnell der erste richtige Laden.

Viele verbinden Secondhand noch mit Wühlen, Zufall und Überforderung. Wie wollt ihr das Einkaufserlebnis anders machen?

Genau davon wollten wir uns bewusst abheben. Bei uns ist nichts zufällig – wir kuratieren jedes Teil, sortieren nach Größe und Farbe, statt alles wahllos auf die Stange zu hängen. Weniger ist mehr: lieber eine kleinere, liebevoll ausgewählte Auswahl als ein endloses Sortiment, durch das man sich erstmal durchwühlen muss. Und eine gute Beratung ist uns wichtig, damit sich niemand überfordert fühlt.

Wonach entscheidet ihr, ob ein Teil ins Sortiment kommt?

Nicht nach Marke, sondern nach Qualität. Mir ist wichtig, dass ein Stück noch ein zweites oder drittes Leben aushält – deswegen landet bei uns keine Fast Fashion im Regal. Das ist auch ganz bewusst so: Wenn wir Fast Fashion gar nicht erst ankaufen, dämmen wir damit von vornherein ein Stück weit die Flut an Teilen ein, die uns zum Ankauf gebracht wird. Ich bin spezialisiert auf Premium-Secondhand: Marken wie Closed, GANNI, Drykorn, Levi’s oder skandinavische Labels wie Samsøe Samsøe passen gut, weil sie für gute Verarbeitung und zeitlosen Schnitt stehen statt für die schnelle Kollektion.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei eurem Konzept?

Nachhaltigkeit ist definitiv einer der Gründe, warum es HANNI überhaupt gibt – aber ich sehe nicht aus wie die absolute Öko-Person, und das muss man auch gar nicht sein, um bewusster zu konsumieren. Es geht nicht darum, nur noch Secondhand zu kaufen, sondern darum, seinen eigenen Stil zu finden statt jedem Trend hinterherzulaufen. Secondhand heißt bei uns nicht Verzicht – man muss nicht auf Style verzichten, um etwas für die Umwelt zu tun. Uns ist wichtig, Secondhand auch an Menschen ranzubringen, die bisher gar keinen Zugang dazu hatten – nicht nur an die, die sowieso schon überzeugt sind.

Kaufen die Menschen bei euch eher wegen Nachhaltigkeit – oder wegen Stil?

Ehrlich gesagt meistens wegen Stil – und das ist auch gut so. Viele merken erst nach und nach, dass sie nebenbei auch bewusster einkaufen. Genau dafür soll HANNI ein Ort sein: für alle, die ihren eigenen Stil finden wollen, abseits von Trends und dem, was auf Social Media vorgelebt wird – Nachhaltigkeit ist dann ein schöner Nebeneffekt, keine Vorbedingung.

Welche Rolle spielt Instagram für euch heute – ist es Schaufenster, Verkaufskanal, Community-Ort oder alles zusammen?

Ehrlich – alles zusammen, und ohne Instagram gäbe es HANNI so gar nicht. Der ganze Laden hat auf Instagram angefangen, lange bevor es die erste eigene Tür gab. Heute ist der Account gleichzeitig Schaufenster für neue Drops, Verkaufskanal für den Onlineshop und vor allem der Ort, an dem unsere Community lebt – wo wir neue Gesichter begrüßen, nach Ideen fragen oder auch mal ganz private Momente teilen. Das ist mir wichtiger als reine Verkaufszahlen.

Was war für dich bisher der schönste Moment mit HANNI?

Schwer, sich auf einen festzulegen. Aber die Neueröffnung in der Augustinerstraße gehört auf jeden Fall dazu – als ich sah, wie viele Kundinnen und Kunden durch den neuen Laden gewuselt sind, Kleidung anprobiert, Secco getrunken und Kuchen gegessen haben, das war ein richtig stolzer Moment. Genauso berührt haben mich Momente, in denen aus HANNI mehr als ein Laden wurde – wenn Kundinnen mir schreiben, dass sie mich schon seit der ersten Ladeneröffnung verfolgen, oder wenn ich sehe, wie aus Followern echte Community geworden ist.

Und zum Schluss: Warum sollte man in Nürnberg unbedingt mal bei HANNI vorbeischauen?

Weil du bei uns nicht nur ein Teil, sondern deinen eigenen Stil findest – ohne stundenlanges Wühlen und ohne schlechtes Gewissen. Komm einfach vorbei, schau dir unser aktuelles Sortiment an, und wenn du willst, bring gleich ein paar Teile aus deinem Schrank mit, die bei dir kein zweites Leben mehr bekommen. Wir freuen uns auf dich – Augustinerstraße 11, mitten in der Altstadt. 

Vielen Dank für dieses interessante Gespräch!

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