Vom Annapark auf die große 3×3-Bühne: Frederik Wannicke möchte den Basketball in Nürnberg sichtbarer machen und gleichzeitig seiner Heimatstadt etwas zurückgeben. Mit der NBG 3×3 Challenge verbindet er schnellen Streetball mit Hip-Hop, Kunst und Gemeinschaft. Im Interview mit deinNämberch spricht er über seine ersten Würfe in der Südstadt, die besondere Basketball-Kultur Nürnbergs und seine Vision, Vereine, Unternehmen und urbane Initiativen stärker zusammenzubringen.
Wie ist deine Beziehung zu Nürnberg?
Nürnberg ist meine Heimatstadt. Ich bin in der Nürnberger Südstadt aufgewachsen und liebe diese Stadt. Deshalb ist es mir wichtig, etwas zurückzugeben und den Basketball in Nürnberg und der Metropolregion nachhaltig weiterzuentwickeln.

Gibt es einen Ort in Nürnberg, den du besonders mit Basketball verbindest?
Definitiv den Annapark in der Nürnberger Südstadt. Dort habe ich mit 13 Jahren angefangen, Basketball zu spielen und unzählige Stunden verbracht. Teilweise habe ich bis zu 1.000 Würfe am Tag genommen und mir feste Spots gesucht, von denen ich irgendwann sogar mit geschlossenen Augen getroffen habe.
Ein weiterer wichtiger Ort war für mich meine Grundschule die Sperberschule. Dort fand das Basketballprojekt von Dirk Nowitzki namens Baskidball statt, an dem ich als Jugendlicher teilgenommen habe. Auch dort habe ich unglaublich viel Zeit verbracht und meine Leidenschaft für Basketball weiterentwickelt.
Außerdem verbinde ich die Heinz-Wieland-Halle mit Basketball. Dort durfte ich als Abteilungsleiter des ESV Flügelrad Basketball viele wertvolle Erfahrungen sammeln und meine Begeisterung für den Sport und das Ehrenamt weiter ausbauen.
Wie würdest du die Nürnberger Basketball-Community beschreiben?
Ich finde, Nürnberg hat eine sehr lebendige Basketball-Community. Gleichzeitig wünsche ich mir noch mehr Zusammenarbeit zwischen den Vereinen. Meine Vision ist, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen und die gesamte Region stärken.
Städte wie Bamberg, Würzburg oder München zeigen, was möglich ist. Ich wünsche mir, dass Talente aus Nürnberg in Nürnberg bleiben und hier die besten Entwicklungsmöglichkeiten erhalten.

Wann hast du mit Basketballspielen angefangen?
Ich habe mit 13 Jahren angefangen. Vorher habe ich viele Sportarten ausprobiert – Judo, Schwimmen, Handball und Fußball.
Nach einer Zehen-Operation wollte ich eigentlich wieder Fußball spielen. Im Annapark gab es aber gleichzeitig Basketball. Weil mein Fuß noch nicht richtig mitgemacht hat, habe ich einfach angefangen, Körbe zu werfen.
Meine Mutter kommt ursprünglich aus Litauen, wo Basketball Nationalsport ist. Dadurch hatte ich schon mein ganzes Leben Berührungspunkte mit diesem Sport. Kurz darauf bin ich zum Training beim Post SV Nürnberg bei Nikita Bekther und danach bei Erdem Ersan und Christopher Schreyer gegangen und habe sofort gemerkt, dass Basketball genau mein Sport ist. Später haben mich meine Trainer Kisi, Tom, Marvin, Nico, und bei den Herren Faba, Julien, Clive Castillo aus London, Anthony aus Ingolstadt, Ich selbst als Spielertrainer ;), Gilberto und nun Hanmes aus Herzogenaurach geprägt.

Was fasziniert dich persönlich an Basketball bis heute?
Basketball ist für mich ein Spiel, bei dem man zwar als Team spielt, aber trotzdem selbst großen Einfluss auf das Spiel hat. Es ist unglaublich rhythmisch. In der Dirk-Nowitzki-Dokumentation „Der grosse Wurf“ wird Basketball mit Jazz verglichen – und genau so empfinde ich es auch.
Mich begeistert außerdem die Kultur rund um Basketball: Hip-Hop, Graffiti, Breakdance, Streetwear und der urbane Lifestyle gehören für mich einfach dazu. Natürlich fasziniert mich auch der Sport selbst – von der EuroLeague bis zur NBA. Mein großes spielerisches Vorbild war schon immer Dirk Nowitzki und neuerdings Franz Wagner.
Wann kam der Punkt, an dem du gesagt hast: „Ich will nicht nur mitspielen, sondern selbst etwas aufbauen“?
Eigentlich hatte ich schon als Schüler Spaß daran, Dinge zu organisieren. Es hat mich immer glücklich gemacht, wenn andere durch etwas, das ich organisiert habe, eine gute Zeit hatten.
Später durfte ich als Abteilungsleiter beim ESV Flügelrad Basketball gemeinsam mit vielen engagierten Menschen die Abteilung deutlich vergrößern und neue Strukturen schaffen.
Die Idee zur NBG 3×3 Challenge entstand schließlich während einer Reise nach Litauen. Dort habe ich gesehen, wie selbstverständlich Menschen 3×3 spielen. Dieses Spielgefühl kannte ich aus Deutschland so nicht. Ich wollte ausprobieren, ob das auch hier funktionieren könnte. Anfangs wurde die Idee eher belächelt, doch mit der Zeit wurde 3×3 olympisch und die Begeisterung ist immer weiter gewachsen.
Für alle, die 3×3 noch nicht kennen: Wie erklärst du die Sportart in drei Sätzen?
3×3 ist die organisierte Variante des Drei-gegen-Drei-Streetballs. Das Spiel ist schnell, intensiv und sehr physisch. Individuelle Fähigkeiten und Spielverständnis spielen eine besonders große Rolle.
Für mich ist 3×3 außerdem die perfekte Möglichkeit, außerhalb der klassischen Saison Erfahrungen zu sammeln und sich mit starken Spielern zu messen.
Warum passt 3×3 deiner Meinung nach so gut in den urbanen Raum?
3×3 lebt von seiner Verbindung zur Straße und zur Basketball-Kultur. Im Annapark wurde schon immer Basketball gespielt, Musik gehört und Zeit miteinander verbracht.
Unsere Veranstaltungen verbinden Basketball mit Musik, Kunst wie Fotos und Videos, Essen und Gemeinschaft. Dadurch entstehen Begegnungen zwischen Menschen, die sich sonst vielleicht nie kennenlernen würden. Genau das macht öffentliche Plätze lebendig und stärkt das Quartier.
3×3 ist mittlerweile olympisch. Was hat das mit der Wahrnehmung der Sportart gemacht?
Für Menschen, die 3×3 bereits kannten, hat sich nicht viel verändert. Für viele andere war es aber ein echter Aha-Moment. Plötzlich wurde sichtbar, dass Basketball nicht nur auf zwei Körbe beschränkt ist. Heute spielen sogar ehemalige NBA-Profis 3×3. Das hat der Sportart enorm geholfen.

Was steckt hinter der NBG 3×3 Challenge?
Die NBG 3×3 Challenge entstand 2024 aus einer einfachen Idee: Basketball mit Menschen verbinden. Mittlerweile haben wir zahlreiche Turniere organisiert und mit der NBG3x3Challenge Summer Series ein eigenes Format geschaffen.
Dabei geht es nicht nur um Basketball, sondern auch um Kultur, Gemeinschaft und Teilhabe. DJs, Hip-Hop, Workshops, Essen und lokale Partner gehören genauso dazu wie der Sport. Wir haben beispielsweise den Nuernberger Falcons e.V, das Kreativplaza, Red Bull und Clubmate, Semsix, Bucketz und nm48-Physiotheraphie als Unterstützer für welche ich unglaublich dankbar bin.
Unser Motto lautet: „Talk less. Play more.“ Ich bin überzeugt, dass Leistungen auf dem Court mehr sagen als Worte.
Wie ist die Idee zur NBG 3×3 Challenge entstanden?
Nach meiner Reise nach Litauen wollte ich das dort erlebte 3×3-Gefühl nach Nürnberg bringen.
Innerhalb weniger Tage habe ich ein Logo in Canva gestaltet, Flyer organisiert, Freunde eingeladen und bei Viktoria Nürnberg das erste Turnier auf die Beine gestellt. Dass daraus einmal ein so großes Projekt werden würde, hätte ich damals nie gedacht.
Warum braucht Nürnberg ein eigenes 3×3-Format?
Ich finde, Nürnberg besitzt enormes Potenzial, das bislang noch nicht vollständig ausgeschöpft wird.
Meine Vision ist es, Vereine, Unternehmen, Künstler und urbane Initiativen miteinander zu verbinden und Nürnberg als Basketball-Standort deutschlandweit sichtbarer zu machen.
Gleichzeitig möchte ich meiner Heimat – der Südstadt und insbesondere dem Annapark – etwas zurückgeben. Dort hat meine Basketballreise begonnen. Heute möchte ich genau dort Möglichkeiten für die nächste Generation schaffen.
Was macht eure Turniere aus?
Unsere Turniere leben von ihrem besonderen Vibe. Jeder soll sich willkommen fühlen – unabhängig vom Leistungsniveau.
Neben Basketball gibt es Musik, Fotos, Videos, Partner wie Red Bull, Club-Mate oder Löschner sowie viele Möglichkeiten, neue Menschen kennenzulernen.
Ich möchte den Jugendlichen genau das ermöglichen, was ich mir früher selbst gewünscht hätte: starke Spiele, gute Atmosphäre und die Chance, sich mit besseren Spielern zu messen und dabei persönlich zu wachsen.
Wer kann bei euch mitmachen?
Ganz einfach: Jeder.
Von Kindern bis zu Erwachsenen ist jeder willkommen. Langfristig wünsche ich mir sogar eigene Rollstuhl-3×3-Kategorien.
Ich möchte Menschen die Angst nehmen, gegen starke Spieler anzutreten. Genau dadurch entwickelt man sich weiter. Sport sollte für alle zugänglich sein – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Leistungsniveau.
Was war bisher der schönste Moment, den du mit der NBG 3×3 Challenge erlebt hast?
Es gab viele besondere Momente. Das große Turnier gemeinsam mit dem Bayerischen Basketballverband im Juli 2026 war sicherlich ein Meilenstein.
Am meisten berührt hat mich aber der Moment, als im Annapark letzte Woche während des Südstadtfestes plötzlich genau die Spieler auf dem Feld standen, zu denen ich als 13-Jähriger aufgeschaut habe. Shoutout an Alex Eichler, Semir und Izudin Mesan, Damian Lyschik und Waqqas Aslan. Damals waren sie zehn Jahre älter als ich – heute spielen sie bei meinem Turnier mit. Da wurde mir bewusst, wie besonders dieses Projekt geworden ist.

Ist 3×3 auch ein Weg, Jugendliche für Sport zu begeistern, die mit klassischen Vereinsstrukturen vielleicht weniger anfangen können?
Absolut. Beim Südstadtfest haben wir gemeinsam mit dem Urbanlab Kinder an Basketball herangeführt. Manche wollten anfangs gar nicht mitmachen – nach wenigen Minuten wollten sie am liebsten sofort weiterspielen.
3×3 ist niedrigschwellig. Man kommt vorbei, spielt mit und hat Spaß. Gleichzeitig kann es der perfekte Einstieg in den Vereinssport sein, weshalb wir eng mit vielen Vereinen wie den Nürnberg Falcons und dem SK Heuchling zusammenarbeiten.
Warum sollte man sich 3×3 in Nürnberg unbedingt mal live anschauen?
Ich wünsche mir, dass Menschen erleben, welche besondere Atmosphäre bei einem 3×3-Turnier entsteht. Basketball ist viel mehr als nur einen Ball in einen Korb zu werfen. Es verbindet Menschen, fördert Disziplin, Gesundheit und Gemeinschaft und bringt Jugendliche wieder mehr zusammen.
Deshalb kann ich eigentlich nur sagen: Kommt vorbei und erlebt es selbst.
Gibt es Menschen, denen du besonders danken möchtest?
Auf jeden Fall. Ein Projekt wie die NBG 3×3 Challenge entsteht nie allein. Von Anfang an haben mich meine Freunde Michael Viner, Felix Koch, Paul Tippelt, Eric Rullit, Roman Fast, Semir Mesan, meine Partnerin Michelle Arndt und seit diesem bzw letztem Jahr Gabi Ionescu vom BBV, Thomas Pöferlein vom SK Heuchling, Basti Doreth, Vuka459 und Edu vom Kreativplaza begleitet. Sie waren bei nahezu jedem Turnier dabei, haben mit angepackt, mitgedacht und ihre Zeit investiert. Gemeinsam zu erleben, wie aus einer spontanen Idee ein immer größeres Projekt geworden ist, gehört zu den schönsten Erfahrungen überhaupt.
Ein besonderer Dank gilt außerdem meiner Mutter Halina und meiner Tante Elisabeth. Sie haben mich von Anfang an unterstützt und immer an mich geglaubt. Die NBG 3×3 Challenge zeigt für mich, was entstehen kann, wenn Freunde, Familie, Ehrenamt und eine gemeinsame Vision zusammenkommen. Man wächst als Team, lernt voneinander und schafft etwas, das weit über Basketball hinausgeht.
Vielen Dank für dieses interessante Gespräch!
