Wahlabend in Nürnberg: Zwischen Bar, Tanzfläche und Hinterzimmer-Gespräch.
Der Wahlabend in Nürnberg begann ruhig – und endete mit drei sehr unterschiedlichen Wahlpartys. Während bei der CSU bereits Glückwünsche verteilt wurden, versuchte die SPD im Karl-Bröger-Haus, das Ergebnis einzuordnen. Und bei den Grünen wurde trotz verpasster Stichwahl sogar noch getanzt.
Ein entspannter Start im Marmorsaal.
Mein Abend begann im Presseclub im Marmorsaal in Nürnberg. Vertreter fast aller Parteien waren gekommen, gaben kurze Statements für die Presse, bevor sie später zu ihren Wahlpartys oder in die Studios von FrankenFernsehen und den Nürnberger Nachrichten weiterzogen.
Die Stimmung im Saal war zunächst entspannt. Journalisten tippten auf ihren Laptops, Kamerateams positionierten sich für die nächsten Interviews. Doch als erste Ergebnisse eintrafen, sorgte ein Detail für Gesprächsstoff: Zeitweise lagen Britta Walthelm (Grüne) und Roland Hübscher (AfD) im Rennen um Platz drei überraschend nah beieinander.
Vor allem bei Gästen aus SPD und Grünen war eine Art der Verwunderung spürbar. Beide Parteien hatten sich mehr erhofft.
Gedämpfte Stimmung im Karl-Bröger-Haus.
Kurz darauf ging es weiter zur SPD-Wahlparty ins Karl-Bröger-Haus. Schon beim Betreten des Saals merkte man: Die Stimmung war gedämpft.
An der Bar bildete sich eine kleine Schlange. Vielleicht auch eine Art, mit dem Ergebnis umzugehen.
Während ich darauf wartete, dass Dr. Nasser Ahmed sein Interview mit inFranken.de beendet, hörte ich bei einem Gespräch mehrerer SPD-Mitglieder zu. Man versuchte, das Ergebnis einzuordnen. Im Vergleich zu anderen Wahlergebnissen an diesem Tag – etwa der Landtagswahl in Baden-Württemberg oder der OB-Wahl in München – sei Nürnberg sogar noch ein Lichtblick.
Und ohnehin: Die Stichwahl sei offen.
Der Tenor unter den SPDlern: Jetzt müsse man noch einmal alle Kräfte mobilisieren.
Ein Gespräch im Hinterzimmer.
Schließlich gehe ich mit Dr. Nasser Ahmed und zwei seiner Berater in ein Hinterzimmer im Karl-Bröger-Haus. Während draußen Stimmengewirr und Musik zu hören sind, ist es hier plötzlich ruhig.
Der sonst so quirlige und energiegeladene SPD-Kandidat wirkt erschöpft. Wochen intensiven Wahlkampfs liegen hinter ihm.
Es fühlt sich ein wenig wie eine Filmszene an: ein Kandidat, ein ruhiges Büro, draußen die Wahlparty – und drinnen ein Hintergrundgespräch.
Ahmed versucht, das Ergebnis positiv zu deuten. Ziel sei es gewesen, in die Stichwahl zu kommen.
„Gegen einen Amtsinhaber jetzt in die Stichwahl zu kommen – das war unser Ziel“, sagt er.
Zufrieden sei er deshalb grundsätzlich mit dem Ergebnis, auch wenn es bundesweit ein schwieriger Tag für die Sozialdemokratie sei.
Jetzt gehe es darum, die nächsten zwei Wochen zu nutzen.
„Die Aufgabe jetzt ist klar: Mobilisierung“, sagt Ahmed.
Vor allem in Stadtteilen, in denen viele Menschen von sozialer Politik profitieren würden.
Dabei ist das Ergebnis für die SPD durchaus ein Rückschlag: Ahmed liegt rund acht Prozentpunkte unter dem Ergebnis des SPD-Kandidaten Thorsten Brehm bei der Wahl 2020 – obwohl Ahmed im Wahlkampf sehr präsent war.
Ausklang bei der CSU.
Gegen 21:45 Uhr komme ich im Holiday Inn Nürnberg City Centre an. Hier feiert die CSU ihre Wahlparty.
Als ich eintreffe, ist von der großen Party allerdings nur noch der Ausklang übrig. Zuvor sollen zeitweise über 120 Gäste da gewesen sein, jetzt sind es vielleicht noch dreißig.
Alle warten auf Marcus König. Der Amtsinhaber ist gerade noch in einer Liveschalte im Fernsehstudio.
Als er schließlich zurückkommt und durch die Hotellobby läuft, wird er von mehreren Parteimitgliedern beglückwünscht.
König wirkt erschöpft, aber auch sichtbar zufrieden.
„Das ist ein tolles Ergebnis“, sagt er. „Das beste Ergebnis der CSU hier beim ersten Wahlgang.“
Mit rund 46 Prozent liegt er deutlich vorne. Trotzdem hätte man sich in der Partei durchaus vorstellen können, gleich im ersten Wahlgang zu gewinnen. Der Weg führt nun über die Stichwahl.
Viel Zeit zum Feiern bleibt ohnehin nicht. Für König steht bereits die nächste Runde an: Um 22 Uhr beginnt die Strategiesitzung für den Stichwahlkampf. Bei der letzten Wahl dauerte diese Besprechung bis drei Uhr morgens.
Diesmal wolle man schneller fertig werden.
Tanzfläche im Grünen Zentrum.
Mein letzter Stopp des Abends führt mich ins „Grüne Zentrum“, kurz GrüZe, am Frauentorgraben.
Hier war ich bereits gegen 19:30 Uhr gewesen. Damals war der Raum voll, die Stimmung ausgelassen. Als ich gegen 22 Uhr zurückkomme, ist es deutlich leerer.
Die Stimmung ist trotzdem gut. Vorne tanzen vereinzelt Gäste.
Dabei hätten sich viele hier deutlich mehr erhofft. Ziel der Grünen im Wahlkampf war es gewesen, zweitstärkste Kraft zu werden und selbst in die Stichwahl einzuziehen.
Daraus wurde nichts.
Auch Britta Walthelm ist am Ende eines langen Wahlkampfs sichtlich erschöpft.
„Mit dem Ergebnis bin ich natürlich nicht zufrieden“, sagt sie offen.
Ihr Ziel sei gewesen, in die Stichwahl zu kommen. Das habe man nicht erreicht.
Wie sich die Grünen in der Stichwahl positionieren werden, will sie noch offenlassen. Zunächst wolle man das Ergebnis auswerten und intern beraten.
Eine Stadt vor der Stichwahl.
Als ich die letzte Wahlparty verlasse, ist der politische Abend noch lange nicht vorbei. In Hinterzimmern beginnen Strategierunden, Telefone klingeln, Kampagnen werden neu geplant.
Nürnberg steuert auf eine Stichwahl zu.
Und die nächsten zwei Wochen dürften politisch alles andere als ruhig werden.
