Von der Hallerwiese bis zum Stadtpark: Britta Walthelm spricht über kurze Wege, hohe Lebensqualität und warum Kommunalpolitik für sie vor allem konkrete Lösungen bedeutet.
Im Gespräch mit Herausgeber Constantin Kaindl (Titelbild links) und Redakteurin Cornelia Gross (Titelbild rechts) geht es um Bürgerfeedback in Pocket-Parks und hitzigen Debatten, den Weg von der Schülersprecherin zur Grünen-Politikerin – und um ihre Pläne für Klimaschutz, Verkehrswende und eine attraktive Innenstadt.
Wir haben übrigens auch mit den Kandidaten der CSU Marcus König und der SPD Dr. Nasser Ahmed Interviews geführt. Diese Interviews findest Du hier:
Interview mit Marcus König: https://deinnaemberch.de/wir-alle-sind-nuernberg-ob-marcus-koenig-ueber-wurzeln-wir-gefuehl-und-nuernbergs-zukunft/
Interview mit Dr. Nasser Ahmed: https://deinnaemberch.de/eine-stadt-der-chancen-ob-kandidat-dr-nasser-ahmed-ueber-herkunft-zusammenhalt-und-perspektiven/

deinNämberch: Für alle, die Sie nicht kennen: Wie ist Ihre Verbindung zu Nürnberg?
Britta Walthelm: Ich bin Nürnbergerin – geboren in der Hallerwiese – und habe den Großteil meines Lebens in Nürnberg verbracht. Zunächst wuchs ich im Osten der Stadt auf, lebte eine Zeit in der Südstadt und wohne nun nahe dem Stadtpark. Man kann sagen: Ich bin von Anfang an Nürnbergerin. Und deshalb entschied ich mich im Jahr 2010, in die Kommunalpolitik zu gehen und meine Stadt mitzugestalten.
deinNämberch: Was schätzen Sie am meisten an unserer Stadt?
Walthelm: Nürnberg ist unaufgeregt, spricht nicht viel über sich, hat aber viele Stärken. Die Stadt ist kompakt – ich habe kurze Wege – und bietet dennoch ein großes Angebot, besonders im Kulturbereich. Es gibt ein gutes Freizeitangebot und insgesamt hohe Lebensqualität. Trotz steigender Preise sind die Mieten noch moderat im Vergleich zu anderen Großstädten. Nürnberg vereint die Vorteile einer Metropole, bleibt dabei aber bescheiden und authentisch.
deinNämberch: Welchen Tipp würden Sie Neu-Nürnbergerinnen und -Nürnbergern geben?
Walthelm: Nutzt die kurzen Wege, entdeckt die kulturelle Vielfalt und schätzt die Stadt in ihrer unaufgeregten, authentischen Art. Nürnberg bietet viel: von Biergärten bis zu richtig viel Kultur, schaut zum Beispiel mal in den Festivalkalender.

deinNämberch: Sie haben als Referentin viel direkten Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern. Wie wichtig ist Ihnen das?
Walthelm: Das ist das Schöne an der Kommunalpolitik: Wir sind nah an den Bürgerinnen und Bürgern und erhalten direktes Feedback. Ideen setzen wir gemeinsam mit den Menschen um – das verbessert unseren Output.
deinNämberch: Wie empfinden Sie den Kontakt mit den Menschen?
Walthelm: Direkter Kontakt tut unserer Arbeit gut, macht sie aber auch anstrengend. Mir ist wichtig, Zusammenhänge konkret zu erklären und Lösungen umzusetzen – nicht abstrakt über Gesetzestexte zu reden, sondern ganz praktisch für Nürnberg.

deinNämberch: Wann haben Sie begonnen, sich politisch zu engagieren?
Walthelm: Ich interessierte mich früh fürs Mitgestalten – ganz klassisch auch schon als Schülersprecherin am Willstätter Gymnasium. Ich studierte Politik und VWL und merkte, dass in Wirtschaftsdebatten Umweltverbrauch und CO₂-Ausstoß kaum vorkommen. Das kann nicht sein. Aus der Überzeugung, dass wir sonst unsere Erde an die Wand fahren, ging ich zu den Grünen – und verfolge dieses Thema bis heute weiter.
deinNämberch: Hat sich Ihr Blick auf Nürnberg geändert, seit Sie Referentin für Umwelt und Gesundheit sind?
Walthelm: Seit fünf Jahren trage ich Verantwortung für einen großen Geschäftsbereich mit rund 1.400 Personen – von Müllabfuhr und Müllverbrennung über das Kanalsystem und das Klärwerk bis zum Gesundheitsamt, Umweltamt und den städtischen Friedhöfen. Wir führen im Referat Themen wie Biodiversität und Klimaschutz zusammen. Ich sehe, dass ich in dieser Rolle viel voranbringen kann – aber ich stoße auch an die Grenzen des Referats und merke, dass es bei manchen Themen mehr Unterstützung von oben braucht.
deinNämberch: Auf welche Errungenschaften als Referentin sind Sie stolz – und was hätte besser laufen können?
Walthelm: Wir haben viel geschafft: ein neues Klimaschutzkonzept, eine Biodiversitätsstrategie und einen Mobilitätsbeschluss. Das verdanken wir auch einer starken grünen Fraktion. In der konkreten Umsetzung sehe ich aber ein Defizit: Es müsste schneller gehen. Es gibt politische Blockaden – besonders im Verkehrsbereich von konservativer Seite – und zu komplizierte Verwaltungsstrukturen. Beides müssen wir angehen.

deinNämberch: Was motiviert Sie für die Kandidatur zur Oberbürgermeisterin?
Walthelm: Ich will gestalten – mit dem Blick aufs Ganze. In der jetzigen Rolle kann ich viel bewegen, aber für manche Weichenstellungen braucht es Unterstützung von oben. Es geht um eine wetterfeste Stadt mit mehr Grün- und Wasserflächen, mehr Schatten bei Hitze, mehr Wohnraum auch durch Umnutzung, und um eine stärkere Gemeinschaft in Nürnberg – über verschiedene „Bubbles“ und sehr unterschiedliche Lebensrealitäten hinweg.
deinNämberch: Stellen wir uns vor, wir schreiben das Jahr 2032 und Sie blicken auf sechs Jahre als Oberbürgermeisterin im Amt zurück – wie hätte sich Nürnberg bis dahin verändert?
Walthelm: Wir hätten ein Nürnberg, das wetterfest, grüner und sozialer geworden ist. In meiner Vorstellung haben wir die Stadt so gestaltet, dass sie im Sommer kühler und lebenswerter ist. Wir haben Wohnraum gewonnen, indem wir bestehende Gebäude klug umgenutzt haben, und es gleichzeitig geschafft, die verschiedenen Lebensrealitäten in den Stadtteilen besser zusammenzuführen. In der Mobilität sind wir spürbar vorangekommen: ein durchgängiger Altstadtring für Radfahrer, beruhigte Hauptstraßen wie die Fürther Straße als attraktiver Boulevard und mehr Straßenbahnkilometer. Nürnberg ist eine Stadt, die zeigt, dass Klimaschutz, Mobilität und Lebensqualität zusammengehören.
deinNämberch: Was schätzen Sie an Ihren Konkurrenten?
Walthelm: An Marcus König schätze ich, dass er offen in Termine geht und sagt: „Erklärt’s mir mal.“ Man kann mit ihm auf Augenhöhe kommunizieren. Dr. Nasser Ahmed hat aktiv den Dialog mit mir gesucht – wir hatten einen gemeinsamen Termin, den er selbst initiiert hat. Das fand ich super! Und Titus Schüller ist ein intelligenter Stratege, der sich in Themen reinbeißt und fundiert argumentiert. Man streitet, klar, aber bei Themen wie der Demo gegen rechts stehen wir zusammen.

deinNämberch: Was wünschen Sie sich für die Nürnbergerinnen und Nürnberger?
Walthelm: Dass sich alle wohlfühlen – so unterschiedlich sie sind – und mit ihren verschiedenen Lebensentwürfen zufrieden in dieser Stadt leben können. Nürnberg soll für alle da sein.
deinNämberch: Was kann Nürnberg von Fürth lernen?
Walthelm: Die Neugestaltung der Marktstände – das macht die Innenstadt attraktiv. Und Fürth hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine starke Transformation geschafft. Vielleicht können wir uns auch etwas Pragmatismus abschauen.
deinNämberch: Vielen Dank für das Interview!
