Wer Britta Walthelm zuhört, merkt schnell: Sie ist keine Politikerin, die große Gesten braucht. Ihre Worte sind ruhig, konkret, und sie weiß genau, wovon sie spricht – von Nürnberg, ihrer Heimatstadt. Geboren in der Hallerwiese, aufgewachsen im Osten der Stadt, später in der Südstadt, lebt sie heute in der Nähe des Stadtparks. „Ich bin Nürnbergerin von Anfang an“, sagt sie. Diese Verwurzelung zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Denken – und durch ihr politisches Handeln.

Verwurzelt in der Stadt, verbunden mit den Menschen
Walthelm beschreibt Nürnberg als Stadt mit hoher Lebensqualität und besonderer Authentizität. „Nürnberg ist unaufgeregt, redet nicht viel drüber, hat aber ganz viele Stärken“, sagt sie. Sie schätzt die kurzen Wege, die kompakte Struktur und das vielfältige Kulturangebot. „Man hat ein großes Angebot, gute Freizeitmöglichkeiten – und trotz steigender Preise sind die Mieten noch in einem anderen Verhältnis als in anderen Großstädten.“
Für sie ist Nürnberg die Stadt der stillen Qualitäten – kein Ort für lautes Eigenlob, sondern für echtes Leben.
Politik aus nächster Nähe
Als Umweltreferentin erlebt sie täglich, wie nah Kommunalpolitik an den Menschen ist. „Das ist das Tolle an der Kommunalpolitik: Wir sind direkt an der Bürgerschaft dran und bekommen unmittelbares Feedback.“
Walthelm erzählt davon, wie sie mit dem Rad an Projekten vorbeikommt – etwa am Pocket Park am Peststadel – und weiß: „Da haben wir was bewegt“. Dieses unmittelbare Erleben von Wirkung treibt sie an. „Ideen werden zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern umgesetzt – das verbessert auch unseren Output.“
Sie weiß aber auch: Nähe kann herausfordernd sein. „Man wird auch mal härter angegangen. Manche laden ihren Frust bei uns ab – oft zu Themen, die die Kommune gar nicht beeinflussen kann. Aber das gehört dazu.“
Von der Schülersprecherin zur Referentin
Politisch interessiert war sie schon früh. „Ich war Schülersprecherin am Willstätter-Gymnasium“, erzählt sie. Ihr Weg führte sie zum Studium von Politik und VWL – und dort fiel ihr auf, dass Themen wie Umweltverbrauch oder CO₂-Ausstoß kaum eine Rolle spielten. „Das kann nicht sein“, sagt sie rückblickend.
Aus dieser Überzeugung heraus trat sie bei den Grünen ein. „Ich hatte das Gefühl, dass wir sonst unsere Erde an die Wand fahren – und bei den Grünen kann ich genau daran arbeiten, das zu verhindern.“ Heute leitet sie als Referentin ein großes Ressort mit rund 1.400 Mitarbeitenden – von der Müllabfuhr bis zum Gesundheitsamt, vom Umwelt- bis zum Friedhofsamt.

Zwischen Anspruch und Realität
Walthelm ist stolz auf das, was ihr Referat in den letzten Jahren erreicht hat: das neue Klimaschutzkonzept, die Biodiversitätsstrategie, den Mobilitätsbeschluss. „Wir haben viel geschafft, auch dank einer starken grünen Fraktion“, sagt sie.
Doch sie bleibt kritisch. „In der konkreten Umsetzung sehe ich ein Defizit – es müsste schneller gehen.“ Sie spricht offen über politische Blockaden, besonders im Verkehrsbereich, und über komplexe Verwaltungsstrukturen, die Prozesse verlangsamen. „Beides müssen wir angehen.“
Verantwortung – und der Wunsch, mehr gestalten zu können
Walthelm trägt seit fünf Jahren Verantwortung für einen der größten Geschäftsbereiche der Stadt. Doch sie spürt auch die Grenzen ihres Amtes. „Ich sehe, dass ich viel voranbringen kann – aber für manche Themen braucht es mehr Unterstützung von ganz oben.“
Darum kandidiert sie für das Amt der Oberbürgermeisterin. „Ich will gestalten – mit dem Blick aufs Ganze.“
Ihre Vision: eine wetterfeste Stadt mit mehr Grün- und Wasserflächen, mehr Schatten bei Hitze, mehr Wohnraum durch Umnutzung – und mehr Miteinander. „Es geht um eine stärkere Gemeinschaft in Nürnberg – über verschiedene Lebensrealitäten hinweg.“
Direkter Kontakt – auch digital
Walthelm legt großen Wert auf den Austausch mit den Menschen – auf Bürgerfesten, bei Terminen, in sozialen Netzwerken. „Wichtig ist mir, Zusammenhänge konkret zu erklären und Lösungen umzusetzen – nicht abstrakt über Gesetzestexte zu reden, sondern ganz praktisch für Nürnberg.“
Der direkte Dialog, sagt sie, sei nicht immer einfach, aber unverzichtbar. „Er tut unserer Arbeit gut – und er erinnert uns daran, wofür wir Politik machen.“
Kollegialer Wettstreit
Über ihre Mitbewerber spricht sie sachlich und respektvoll. Marcus König, sagt sie, sei jemand, mit dem man auf Augenhöhe reden könne. „Er geht offen in Termine und sagt: Erklärt’s mir mal.“
An Nasser Ahmed schätzt sie, dass er aktiv den Dialog sucht – „wir hatten einen gemeinsamen Termin, den er selbst initiiert hat“.
Und über Titus Schüller sagt sie: „Er ist ein intelligenter Stratege, der sich in Themen reinbeißt und fundiert argumentiert. Man streitet, klar, aber bei Themen wie der Demo gegen rechts stehen wir zusammen.“

Authentisch und pragmatisch
Was Nürnberg von Fürth lernen kann? „Vielleicht ein bisschen Pragmatismus“, sagt Walthelm mit einem Lächeln. „Und die Neugestaltung der Marktstände – das macht die Innenstadt attraktiv.“
Ihr Ansatz ist typisch Walthelm: konkret, nicht theoretisch. Sie spricht lieber über Lösungen als über Schlagzeilen. Und sie bleibt bei aller Ernsthaftigkeit nahbar.
Eine Stadt für alle
Am Ende fasst sie zusammen, was ihr am wichtigsten ist: „Dass sich alle wohlfühlen – so unterschiedlich sie sind – und mit ihren verschiedenen Lebensentwürfen zufrieden in dieser Stadt leben können. Nürnberg soll für alle da sein.“
Eine klare Botschaft – ruhig formuliert, aber mit Überzeugung. Britta Walthelm, die unaufgeregte Macherin, will Nürnberg nicht neu erfinden. Sie will es wetterfest machen – sozial, ökologisch und menschlich.
