Seit fast zwei Jahrzehnten wirkt Alexander Gießen in der Nürnberger Südstadt: Als Pfarrer, Seelsorger und Vorstand der katholischen Gesamtkirchengemeinde begleitet er Menschen im Alltag und durch Umbrüche. Im Interview mit deinNämberch.de spricht er über persönliche Nähe, gesellschaftliches Engagement – und warum Nächstenliebe die Basis für ein demokratisches Miteinander ist.

Wie stehen Sie zu Nürnberg?
Ich stamme aus Kaiserslautern, lebe aber seit 1992 in Franken, wo ich studierte. Seitdem nenne ich mich gern „Wahl-Franke“. In Nürnberg bin ich seit 2006 und habe besonders die Südstadt und den Südwesten ins Herz geschlossen.
Was macht Nürnberg für Sie besonders?
Nürnberg vereint die Vorzüge einer Großstadt: Kunst, Kultur und eine bereichernde multikulturelle Vielfalt. Diese Vielfalt erlebe ich hier positiv intensiver als in anderen bayerischen Städten. Zudem schätze ich, dass man in nur 15 Minuten überallhin gelangt, auch in Erholungsgebiete.
Welche Aufgaben bringt Ihr Beruf als Pfarrer mit sich?
Die Aufgaben eines Pfarrers sind oft anders, als viele denken. Neben der Liturgie und Seelsorge stehen wir vor der Herausforderung, die Zukunft der Kirche und der Pfarreien in Nürnberg zu gestalten. Zudem trage ich Personalverantwortung für die Mitarbeiter der Kirchenstiftungen und leite die Kindertagesstätten als Vorstand der katholischen Gesamtkirchengemeinde.

Mit welchen Anliegen kommen die Menschen zu Ihnen?
Die Themen reichen von finanziellen Sorgen bis zu regelmäßigen Gesprächen über das Leben. Neben den Gespächen um Trauer, Geburt eines Kindes oder Beziehungen (Hochzeiten), geht es oft auch um aktuelle Fragen und die Zukunft der Kirche.
Was bewegt die Menschen in Ihrer Gemeinde?
Derzeit beschäftigen sie die Veränderungen vor Ort, die viele als einschneidend empfinden. Konkret betrifft das den Wegfall einer Priesterstelle und die damit verbundenen strukturellen und inhaltlichen Anpassungen.
Welchen Beitrag kann jeder für ein respektvolles Miteinander und die Demokratie leisten?
Der wichtigste Beitrag ist, persönliche Ängste zu überwinden und sich den Menschen zuzuwenden, die uns anvertraut sind. Achtsamkeit, Wertschätzung und Unterstützung sind essenziell. Die praktische Umsetzung der Nächstenliebe fördert ein respektvolles Miteinander in der Demokratie. Alles, was dem entgegensteht, schließt sich von selbst aus.


Wie können sich Interessierte in Ihrer Gemeinde engagieren?
Wir bieten vielfältige Möglichkeiten, sich niedrigschwellig zu engagieren: von spontaner Hilfe beim Pfarrfest über regelmäßige Mitarbeit beim Kirchenkaffee bis zur Verantwortung in Gremien oder Gottesdiensten. Wir suchen stets nach neuen Projekten, die den gemeinnützigen Auftrag der Kirche erfüllen. Dabei achten wir besonders auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen, was für Ehrenamtliche eine Schulung zu unserem Präventions- und Schutzkonzepts und ein erweitertes Führungszeugnis erfordert.
Vielen Dank für das interessante Gespräch!
